In der Blogosphäre ist er bekannt wie ein bunter Hund- Martin Gommel. Er ist Fotograf und betreibt unter Kwerfeldein.de einen Blog über die Fotografie. Dort finden Hobbyfotografen jede Menge Tipps und Tricks zur Fotografie. Seine Bilder, sein Bildstil gefällt mir sehr gut. Nun habe ich mit Martin ein Interview über seine Arbeit und die Fotografie geführt.
Da Du einen der erfolgreichsten deutschen Blogs über die Fotografie betreibst, sagt Dein Name wohl den meisten Lesern bereits etwas. Stelle Dich doch bitte dennoch kurz vor, Martin.
Mein Name ist Martin Gommel, ich bin 29 und lebe mit meiner Frau und unserer Tochter in der Nähe von Karlsruhe. Ich betreibe das Fotografie Blog kwerfeldein.de und fotografiere vorzugsweise Menschen, was man u.a. auf martingommel.de sehen kann.
Ok, weshalb gerade Menschen, Martin? Reizt dich daran was ganz besonders?
Ja, Menschen. Das hört sich vielleicht ein wenig platt an, aber Menschen begeistern mich irgendwie, jeder ist so ein eigenes Universum mit seinen Gedanken, Träumen und dem wie er oder sie lebt. Das in einem Foto herauszustellen ist für mich eine der schönsten (und auch herausforderndsten) Sachen, die es gibt.
Arbeitest Du dabei mit “professionellen” Models zusammen? Wie ergibt sich so ein Fotoshooting?
Ganz ehrlich: Ich habe noch nie mit einem Model gearbeitet, irgendwie reizt mich das (zumindest momentan) nicht wirklich. Aber ich habe schon immer meine engsten Freunde fotografiert und somit ein wenig Gefühl für die Portraitfotografie entwickelt. Heutzutage gehe ich entweder gezielt auf Leute zu, die ich fotografieren will (in 99% aller Fälle kenne ich sie schon) oder werde angefragt, Aufnahmen von Paaren oder Einzelpersonen zu machen.
Wie lange fotografierst Du schon und wie ergab sich dein Hang zur Fotografie?
Ich fotografiere seit Winter 2005 als ich die Kamera meiner heutigen Frau zwischen die Finger bekam. Ich hatte vorher schon in der Ausbildung mit einer analogen Kamera gearbeitet, aber so richtig gefunkt hat es damals noch nicht. Erst mit der kleinen Powershot und den Möglichkeiten der Digitalfotografie habe ich mich in diese Kunst verliebt. Wie jeder andere Fotograf habe ich meine Kriselchen, aber das gehört meiner Meinung nach einfach dazu.
Wie sieht eine solche Kriese bei Dir aus und was machst Du, um sie zu überwinden?
Nun, was viele schon als Schreibblockade kennen, das gibt es bei mir als Fotografieblockade – seltsamerweise trifft mich die aber zu 90% beim Fotografieren von Landschaften und fast nie, wenn ich Menschen fotografiere. Jedenfalls fehlt mir dann sämtliche Inspiration, es ist wie wenn gar nichts mehr klappt und selbst wenn ich ein gutes Foto mache, gefällt es mir nicht. Was ich dann mache? Entweder weiterfotografieren oder für ein paar Wochen die Kamera beiseitelegen. Fotografie hat sehr viel mit Neugier zu tun und wenn die fehlt, wirds eng. Wie oben schon beschrieben ist das bei Menschen aktuell selten der Fall, vielleicht weil es mir leichter fällt, neugierig zu sein, wenn ein Mensch vor der Kamera ist.
Wenn ich einen Auftrag habe, dann stellt sich für mich diese Frage gar nicht – denn es ist nicht relevant, ob mich gerade die Muse küsst oder nicht, wenn ich einen Kunden habe, der möchte, dass ich ihn/sie fotografiere. Interessanterweise tut das meiner Fotografie keinerlei Abbruch und ich habe kein Problem damit, auf Knopfdruck kreativ zu sein. Denn Kreativ sein ist doch was Schönes, egal wann, wie und wo.
Martin, Du arbeitest als selbständiger Fotograf- wie kam es dazu? Würdest Du diesen Schritt wieder wagen?
Unbedingt. Für mich war es der einzig logische Schritt. Die Fotografie hatte mich “voll erwischt” und mir war klar, dass ich alles daran setzen würde, um davon leben zu können. Mit der Kombination Bloggen/ Hochzeitsfotografie/ Portraitfotografie habe ich drei Standbeine, die mir helfen, so zu leben, wie ich es jetzt tue.
Hast Du eine Ausbildung zum Fotografen gemacht oder beispielsweise Fotografie studiert?
Keins von Beidem. Aber ich würde auch nie sagen, dass ich mir das alles selbst beigebracht habe, denn da würde ich einen entscheidenden Teil weglassen. Denn ich habe von vielen anderen Fotografen (über das Internet oder direkte Freundschaft) so viel über das Fotografieren gelernt, dass es sehr egoistisch wäre, zu sagen, ich hätte mir das alles selbst beigebracht. Ich sehe mich auch noch lange nicht am Ziel oder am “Ende des Lernens” und lerne immer noch dazu – was ich in meinen Augen auch dringen nötig habe.
Wie sieht bei Dir als selbständiger Fotograf ein typischer Arbeitsalltag aus? Wer sind meist Deine Kunden und wie kommst Du zu neuen Aufträgen?
Aktuell verbringe ich sehr viel Zeit mit dem Schreiben von neuen Artikel und der Korrespondenz mit Kunden oder Gastautoren. Nebenher habe ich ein Auge auf Twitter und Facebook und versuche, den Puls der Zeit ein wenig mitzufühlen. Meistens beschäftige ich mich vormittags mit Artikeln für das Blog, nachmittags mit Kleinkram wie Rechnungen (schreiben und begleichen) und anderem Papierkram. Abends genieße ich die Zeit mit der Familie oder einem guten Buch.
Ok, und die Fotografie? Wie viel Zeit verbringst Du damit?
Nun, die Fotografie ist viel mit dem Verwoben, was ich tagsüber tue – meiner Meinung muss ich nicht hinter der Kamera stehen, um “fotografisch tätig zu sein” – gerade das Thema Bildbearbeitung nimmt da einen großen Teil ein. Wenn ich beispielsweise samstags eine Hochzeit fotografiert habe, verbringe ich eine halbe/ganze Woche damit, die Fotos zu sichten, sortieren und zu bearbeiten. Bei 3000 Fotos kann das schon mal eine ganze Weile gehen. Und zusätzlich fotografiere ich gerne im Alltag. Auf dem Weg zu Bäcker, beim Besuch von Freunden oder in meiner Mittagspause draußen. Dazu kommen Shootings mit Paaren, Freunden oder kleinere Projekte, in denen ich etwas Neues ausprobiere.
Wie würdest Du deinen Bildstil beschreiben? Was ist für Deine Bilder typisch, was zeichnet sie aus?
Ich bin der Meinung, dass jeder seinen eigenen Stil hat – egal wie lange er/sie fotografiert. Denn im Stil spiegeln sich persönliche Vorlieben wieder, und die hat wirklich jeder. Die Herausforderung ist, das mit der Kamera dann umzusetzen. Das braucht Übung und vor allem Zeit. Ich glaube diese zwei Komponenten würde ich als die wichtigsten erachten…
Hm, also ich bin ja ganz schlecht im beschreiben vom eigenen Stil – ich konnte auch nie beantworteten, wenn ich gefragt wurde, welchen Stil wir mit unserer Band hätten. Ich bin da zu nah dran. Aber was ich sagen kann: Ich fotografiere vorzugsweise Schwarzweiß, habe einen Hang zur Melancholie und versuche Menschen zu zeigen, wie sie sind.
Was hat Dich auf Deinem fotografischen Weg bislang am Meisten weitergebracht?
Das ist eine gute Frage – die sehr komplex zu beantworten ist. Ich ziehe sehe viel Inspiration aus Gesprächen mit Freunden und quassele unglaublich gern über alles, was irgendwie kamerateschnisch Sinn macht. Dazu kommen die ganzen Podcasts und Blogartikel, die ich meist samstags in mich hinein verschlinge. Aber auch ein Besuch im Kino kann mich fotografisch weiterbringen. Es sind viele Dinge, die mich inspirieren und sehr mit meinem Alltag verwoben. Manchmal huscht mir ein guter Gedanke durch den Kopf und ich versuche dann, den beim nächsten Shooting einzubringen.
Besten Dank Martin, dass Du dir für dieses Interview Zeit genommen hast, Martin! Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit der Fotografie und Deinem Blog!
Julia Stern


Schönes Interview, freut mich einen kleinen Blick in Martins Alltag werfen zu können. Immer wieder interessant wie es sich bei Anderen verhält. Sympathischer Kerl!
Danke für das Interview …
[...] von Martin Gommel Weiter geht es mit einem Interview von Martin Gommel bei der Fotoholikerin Julia Stern, interessant einen Einblick in seinen Alltag und seine [...]
Schönes Interview. Viele Antworten und Gedanken kennt man von kwerfeldein.de, dort aber eher über das ganze Blog verteilt und nicht auf einer Seite. :)
Sehr spannendes Interview. Und ich muss zugeben, es war das erste Interview in einem Blog was ich je gelesen hab. :) Ich lese viele Artikel aber Interviews habe ich persönlich immer ausgelassen. Aber ich hatte schon einige Fragen an Martin welche ich nie gefragt habe, die aber jetzt beantwortet sind. :) Ich würde auch gern mal mehr Artikel Online stellen, allerdings gehe ich einen Job nach der nix damit zu tun hat und somit fehlt immer die Zeit da ich wenn dann nur Abends Zeit hab. Aber es gibt ja schöne Blogs wie Deins und Martins, die ich abends gemütlich lesen kann. :)