Mit welchem Equipment arbeitet ein professioneller Fotograf? Was ist für einen Fotografen ein gutes Bild? Kann man von der Fotografie überhaupt leben? Ein paar dieser Fragen habe ich dem Fotografen Michael Weßel, der für Fotoholiker bereits mehrere Gastartikel geschrieben hatte, gestellt.
Die meisten Leser werden Dich von Deinen Gastartikeln auf Fotoholiker bereits kennen, manche vielleicht aber noch nicht. Stelle Dich deshalb doch bitte kurz vor.
Meine Name ist Michael Weßel und ich wurde 1973 in Essen geboren. Derzeit wohne ich in Witten. Neben der Fotografie bin ich leidenschaftlicher Golfer und Film- bzw. Serienjunkie, koche für mein Leben gerne und versuche noch Zeit für ein wenig Fitness zu finden. Habe den Traum einen Halbmarathon zu laufen, aber leider muss ich derzeit wegen Zeitmangel mein Training ein wenig vernachlässigen.
Was machst Du beruflich?
Eigentlich bin ich Systemadministrator, habe mich aber im Jahre 2008 mit meiner Fotografie nebenbei selbstständig gemacht.
Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Fotografiert habe ich schon immer. Als kleiner Junge bekam ich von meinen Großeltern so eine Agfa Ritsch- Ratsch Kamera zu Weihnachten geschenkt. Von da an war ich eigentlich immer fasziniert Momente einfach nur festzuhalten. Es folgten dann einiges an verschiedenen Kamera- Modellen. Von einer sehr alten Spiegelreflex, von der ich nicht mehr weiß, welche das genau war, bis hin zu der guten alten Polaroid war alles dabei. Leider gab es in meiner Familie keinen leidenschaftlichen Fotografen, sonst wäre mein Berufswunsch vielleicht anders ausgefallen. Ich glaube das Mittelformat, was ich damals nicht kannte, weil es einfach auch viel zu teuer war, hätte mein Leben bestimmt verändert.
Mit welchem Equipment arbeitest Du und warum?
Ich arbeite überwiegend mit Nikon Kameras. Meine letzte Digitale Spiegelreflex war eine Pentax, die wirklich gut war. Als es bei mir aber ernst wurde mit der Selbstständigkeit, musste ich wechseln, denn Pentax hat einfach nicht diese Auswahl an Objektiven wie Canon oder Nikon. Die Gemeinde ist größer und dem nach auch der Preis. Ich hatte lange überlegt, für wen ich mich entscheide, bin dann aber bei Nikon gelandet. Die Nikons sind manchmal kleine Diven, die einfach beherrscht werden wollen, aber mit der Zeit kennt man die Kameras in und auswendig und dann sind es sehr zuverlässige Arbeitstiere. Da mein Fokus auf Hochzeiten liegt und ich so gut wie nie Blitze verwende, außer manchmal für Außenaufnahmen, muss ich mit hohen ISO Werten arbeiten. Hier ist Nikon wirklich unschlagbar. Bei den Objektiven arbeite ich überwiegend mit Festbrennweiten. Die Linsen sind auch alle durch die Bank sehr gut. Sehr Lichtstark, sehr scharf usw.
Was ist für Dich ein gutes Bild und wie erreicht man ein solches?
Darauf antworte ich mal mit eins meiner Lieblingszitate: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut” von Henri Cartier-Bresson. Wie man das erreicht? Man sollte seinen eigenen Stil entwickeln und sich in nichts einreden lassen. Technisch einwandfreie Bilder müssen nicht zwangsweise gut sein, also einfach auch mal von der Norm abweichen. Mir ist es auch manchmal egal ob ein Bild z.B. verwackelt, unscharf oder überstrahlt ist. Die Hauptsache ist, dass es mir gefällt, dass es die Stimmung weiter gibt, die ich versuche zu transportieren und nur das zählt. Sollte dann noch jemand länger als eine Sekunde auf mein Foto schauen, dann habe ich alles richtig gemacht.
Was sind Deine Lieblingsmotive und warum? Was reizt Dich besonders daran?
Wie ich schon sagte liegt mein Fokus auf Hochzeiten, bzw. Hochzeitsreportagen. Ich liebe die Stimmung, die Emotionen, die Freude usw. Man hat so viele tolle Momente, die es gilt festzuhalten. Weiterhin ist es jedes Mal eine Herausforderung. Man kann nicht alles planen. Es gibt auch viele Zufälle und die gilt es zu beherrschen. Es gibt nur einen Versuch und meistens hat man schwierige Lichtverhältnisse. Aber wenn man das alles unter Kontrolle hat, dann ist es großartig. Ich freue mich auch jedes mal, wenn das Paar Ihren besonderen Tag durch die Fotos noch mal durchleben kann. Ist ein sehr schönes Gefühl, was ich nicht mehr missen möchte.
Wie bearbeitest Du deine Bilder nach?
Nach einem Import in meine Datenbank werden die Bilder erst einmal gesichtet und bewertet. Diesen Vorgang mache ich in der Regel auch zwei mal. Meistens lasse ich mir auch ein wenig Zeit zwischen den Sichtungen. Danach werden die übrigen Fotos nach bearbeitet. Tonwertkorrekturen vorgenommen und hier und da auch ein wenig retuschiert. Für die Technikfreaks: Ich arbeite unter Vista 64 mit Lightroom und Photoshop CS4 mit einem alten Wacom Intuos 2, was ich in diesem Jahr sicherlich noch updaten werde.
Wenn Du deine Aufnahmen im Kasten hast und diese bearbeitet sind. Landen die Bilder dann einfach auf der Festplatte, oder was machst Du mit diesen?
Sie landen sogar auf mehreren Festplatten. Seit meiner Selbstständigkeit ist das Backup Thema eine ganz wichtige Geschichte für mich. Bei privaten Projekten landen die Fotos natürlich auch bei einigen Fotocommunitys. Ich lasse Bilder aber auch gerne entwickeln. Bei Aufträgen, gerade bei Hochzeiten, wird natürlich auch ein Hochzeitsalbum erstellt. Ich arbeite da mit einem ganz tollen Partner zusammen, wo die Bücher in Italien Hand genäht werden. Die Qualität ist unglaublich gut und es ist auch immer schön anzusehen so ein fertiges Werk in seinen Händen zu halten. Jedes Buch ist ja quasi ein Unikat und auch wertvoll.
Wie vermarktest Du dich und Deine Arbeiten und was erreichst Du damit?
Natürlich habe ich einen Internetauftritt usw. aber die beste Werbung sind einfach zufriedene Kunden. Deswegen ist Leistung, Qualität, Service usw. einfach unglaublich wichtig. Das muss einfach alles stimmen. Dadurch erreicht man einfach viel mehr als durch z.B: Zeitungsannoncen und man darf sich nie unter Wert verkaufen.
Glaubst Du, dass man als Fotograf sein Leben finanzieren kann, oder kannst Du deines davon finanzieren?
Na klar kann man das. Es gibt ja sehr viele Fotografen, die davon leben können. Ob man dann gut lebt ist die eine Sache. Es gibt einfach zu viele Fotografen oder solche die sich so nennen. Gerade in unserem „Geiz ist Geil“- Deutschland ist es nicht einfach gute Leistung sich auch angemessen bezahlen zu lassen. Das meine ich auch Fotografenunabhängig. Aber wie ich es gerade schon sagte, wer Qualität liefert, wird sich auch durch die Masse abheben und auch entsprechend belohnt werden. Nicht den Kopf hängen lassen.
Wie wird man (außer üben, üben) Deiner Meinung nach besser?
Seinem Stil finden und treu bleiben, dabei aber immer neues ausprobieren, sich nicht durch die Technik einengen lassen. Einfach machen und sich Bilder genau anschauen. Meiner Meinung nach wird man immer besser, man wird immer was dazu lernen können, sein Leben lang. Keine Angst haben.
Hast Du noch irgendwelche Fragen an Michael oder ist Dir noch irgendetwas unklar? Stelle einfach Deine Frage via Kommentar an Michael! Sicherlich wird er auf diese eingehen und sie Dir beantworten.
Julia Stern



Zuerst einmal Danke für das tolle Interview!
Folgende Frage an Michael: Ich habe vor ein Fotobuch meiner Reisefotos zu erstellen und suche schon seit einiger Zeit nach a) der besten Software dazu und b) nach einem Fotobuch- Hersteller. Du hast das ja in der einen Frag erwähnt. Mit welcher Software arbeitest du und wie heißt der Buch- Hersteller in Italien?
Würde mich über die Antworten freuen! Danke
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Gmm, wurde die Frage an Michael weiter geleitet?
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Hallo,
ich war ein paar Tage nicht online, deswegen hat es jetzt ein wenig gedauert. Software Seitig arbeite ich mit der Software, die der Hersteller vorgibt. Man kann zwar auch was mit Photoshop machen usw. aber das ist zu umständlich.
Du kannst bei meinem Partner in Italien allerdings nicht als Endkunde bestellen und die Alben sind eher weniger was für Reisealben, weil der Fokus auf Hochzeiten liegt. Zumal die Bücher sehr teuer sind (ab 500.- Euro)
Schau dir mal http://www.saal-fotobuch.de an. Ich habe die selbst noch nicht ausprobiert, aber bisher nur Gutes gehört.
Gruß
Michael