Dies ist ein Gastartikel von Mario Tumm. Er ist 45 Jahre alt und kommt aus Mecklenburg. Mit 14 Jahren hat er seine erste Spiegelreflexkamera gekauft und ist seither von der künstlerischen Fotografie fasziniert. Jahrelang hat er in der Dunkelkammer mit Geduld und Chemie die Fotos gestaltet, jetzt freut er sich über die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung. Landschaften im Superweitwinkel gesehen sind seine Lieblingsmotive – meist mit Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang. Seine Arbeiten findest Du unter www.matudesign.de und www.tropfenkunst.de.
Wasser – das lebendige Etwas
Über meine Landschaftsfotografien bin ich immer wieder zum Wasser gekommen. Zuerst war es der See als Spiegel, dann die Ostseewellen mit ihren spritzenden Gischt oder in Norwegen die reißenden Flüsse und Wasserfälle. Wasser ist immer anders, verändert sich extrem schnell. Mich reizte dann zunehmend, dass sich schnell Verändernde sichtbar zu machen. Tagelang habe ich an norwegischen Schneefeldern mit dem Stativ ausgeharrt und Tausende Tropfen fotografiert. Und dann kamen lange Novemberabende und die Idee der Tropfenfotografie zu Hause.
Der Tropfen
Wenn sich Wasser zu Tropfen formt, auf der Flüssigkeitsoberfläche aufschlägt, sich dann
wieder aufbäumt und am Ende in sich zusammenfällt oder vom nächsten Tropfen getroffen wird – dann entstehen immer neue und kunstvolle Formen.


Kurz nach dem Aufprall entsteht eine kleine Krone mit spitzen Zacken. Sie wird immer größer und dicker. Die Zacken werden runder, bis sie in sich zusammenfallen. Dann wird das Wasser zurückgeschleudert und „bäumt“ sich in Form eines Kegels wieder auf.


Gleichzeitig gibt es die wellenförmigen Ringe. Der Kegel stürzt zurück ins Wasser, wobei sich der obere Teil als Tropfen abtrennt und erneut nach unten fällt. Diese Episoden laufen jedesmal ab, allerdings variieren Kegelgröße, Kronenumfang und Wellen von der Tiefe des Wassers und der Fallhöhe des Tropfens. So gleicht kein Bild dem anderen. Ohne Bildbearbeitungs-Tricks entstehen Skulpturen aus Flüssigkeit.
Dann geht es um die Variation von Licht, Farbe und Zeit…
Tropfen auf Tropfen
Ein Tropfen an sich ist schon faszinierend, aber unglaubliche Skulpturen entstehen, denn der sich nach oben aufbauende Kegel des ersten Tropfen durch den zweiten getroffen wird. Pilze, Schirme, Kelche– alles ist möglich bei den so genannten TaT (Tropfen auf Tropfen).


Die Technik
Ich weiß, der Künstler schert sich eigentlich wenig um Technik. Gute Tropfenfotos erfordern– wie gute Fotos generell – ein wenig Beschäftigung mit grundlegenden Fragen. Die erste und wichtigste für mich ist die Schärfe. Tropfen fallen extrem schnell und sind klein. Es braucht also kurze Belichtungen und bietet nur einen Schärfebereich von maximal einem Zentimeter.
Die kurzen Belichtungen lassen sich (abgesehen von wenigen und teuren Spezialkameras) nur über ein gedrosseltes Blitzgerät realisieren, das dann bis zu 1/20000 Sekunde leuchtet. Jeder Blitz, der sich manuell regeln lässt, sollte das bringen. Die Kamera wird auf eine lange Belichtungszeit eingestellt (etwa eine Sekunde) und der Blitz in dieser Zeit manuell ausgelöst. Zu Beginn reicht auch der interne Blitz, aber wer mehr will, will auch Gegenlicht oder Seitenlicht – und braucht damit einen oder mehrere separate Blitze. Das müssen nicht die modernsten sein, aber manuell regelbar.
Die geringe Schärfentiefe erfordert einen Tropfen, der immer an der selben Stelle auftrifft, denn darauf muss manuell fokussiert werden. Man kann einen Wollfaden nehmen, aber am besten ist ein Infusionsset aus der Apotheke, denn dort kann auch die Frequenz der Tropfen geregelt werden. Das kostet um drei Euro. Wundert Euch beim Einkaufen aber nicht, wenn der Apotheker etwas komisch guckt.
Ich habe mir einen Aluminiumrahmen gebaut und dort alles fest installiert: Tropfengeber, flache Glasschüssel, Kamera mit Stativ und 100er Makro. Blende 11 wegen der Schärfentiefe und 1 Sekunde Belichtung bei 200 ISO, das müsste passen.

Jetzt solltest Du zumindest die einzelnen Tropfenphasen scharf fotografieren können. Das ist Grundvoraussetzung für jegliches kreatives Experimentieren mit Farben, Licht, Hintergründen, anderen Flüssigkeiten.
Ein bisschen Glück und Geduld braucht es natürlich weiterhin. Aber bei den digitalen Kameras kostet es ja nichts, einmal mehr abzudrücken. Und wenn Du mit der Technik weitergehen willst, baue Dir eine Infrarot- Lichtschranke, die bei fallendem Tropfen den Blitz auslöst. Eine tolle Spielerei. Das Wasser färbe ich übrigens mit Lebensmittelfarbe. Diese ist in jedem Supermarkt im Backregal erhältlich.


Mario Tumm



Interessante Anleitung. Um solche Bilder zu gestalten, werde ich aber noch viel üben müssen.
Gruß
Uwe
Gerade erst vor zwei Tagen selber Wassertropfen fotografiert. Aluminiumrahmen muss es zum Anfang nicht unbedingt sein. Bei mir hat mein Stativ auch gute Dienste geleistet. Das mit dem Apotheker stimmt – er war ein wenig verwirrt als ich ihn nach einem Infusionsgerät gefragt habe. Kosten das Gerät in meiner Apotheke: 1,50 €.
Hallo Stefan,
bei mir kostete das Infusionsset auch etwa 1, 95 €. Rechnet man aber noch die Infusionsflasche dazu, so kommt man auf circa 7 €. Meine Apothekerin war auch ziemlich verwirrt und hat nachgefragt, was ich denn damit mache.
Hallo,
danke für den schönen Artikel. Auch ich habe mal Tropfen fotografiert (http://www.publicbrain.de/album/tropfen-ii), aber die Bilder von Mario sind eine Klasse für sich!
Geniale Anleitung.
Das muss ich auch mal austesten. Die Bilder sind echt toll geworden.
Schöner Artikel,
ich hab das Ganze auch schonmal probiert: http://www.cmphotography.de/fotografie/wassertropfen.
Danke für die tolle Anleitung (auch wenn ich an manchen Stellen nur rote Kreuze seh ;-( . Die Lust zum Ausprobieren ist erwacht. Deine Tropfenfotos find ich große Klasse. LG Takinu
[...] Wassertropfen fotografieren → Einstieg leicht gemacht: Wassertropfen- Tutorials → Wettbewerbsfotografie: Dabei sein ist [...]
[...] macht, dass Sie es auf fortgeschrittenerer Ebene fortsetzen möchten, sei Ihnen auch der Artikel Wassertropfen fotografieren auf Fotoholiker.com ans Herz gelegt, wo der Fotokünstler Mario Tumm erklärt, wie er zu [...]