die große Spiegelreflexkamera-Verlosung

Dies ist ein weiterer Gastartikel von Michael Wessel. Michael Wessel beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der Fotografie und ist seit einem Jahr als freier Fotograf selbständig. Sein Schwerpunkt liegt auf der Portrait, Beauty, Akt, Fashion und Wedding- Fotografie. Michael Weßels Arbeiten findest Du unter der Fotomanufaktur Wessel.

 

“Sag mal, Du hast doch eine digitale Spiegelreflexkamera. Könntest Du nicht auf unserer Hochzeit fotografieren?” oder “Du fotografierst doch hobbymäßig, könntest Du nicht auf unserer Hochzeit fotografieren?” Kommt Dir das bekannt vor? Als Hobbyfotograf kommt man sicherlich nicht drum herum, dass Freunde, Familie oder Bekannte vorsichtig nachfragen. Ist ja auch verständlich. Viele Hochzeitspaare sehen die Preise der Profis und denken sich dann ein paar Euros sparen zu können, oder die Bilder umsonst zu bekommen. Leider ist dann die Enttäuschung am Ende oft recht groß. Deswegen ein paar kleine Hinweise für den angehenden Hochzeitsfotografen.

 

Hochzeit

 

1. Hinterfrage

Eine Hochzeit ist sehr stressig und es muss sehr viel vorbereitet werden. Die meisten Paare wissen auch nicht, was sie eigentlich wollen. Wenn man mal genauer nachfragt kommt meistens ein “Och ein paar Portraits, Gruppenbilder und vielleicht ein paar Bilder in der Kirche. Vielleicht noch wenn wir die Torte anschneiden.” Dazwischen liegen Stunden. Deswegen hinterfrage genau, was gewünscht ist.


2. Sei ehrlich zu Dir selbst

Das Hochzeitspaar hat Dir genau erklärt was sie wünschen und Du weißt jetzt bescheid. Jetzt sei ganz ehrlich und stelle Dir selbst folgende Frage: “Bist Du bereit für eine Hochzeit und kannst Du das wirklich?” Es gibt sehr viele schöne Momente bei einer Hochzeit, ein wahres Eldorado für Fotografen, aber kannst Du auch im richtigen Moment den Auslöser drücken? Kennst Du deine Kamera so gut, dass Du weißt welche Blende und welche Verschlusszeit nehme ich z.B: bei schwierigen Lichtverhältnissen? Ein Hochzeitspaar ist ein extrem schwieriges Lichtverhältnis. Sie ist in der Regel weiß und er schwarz. Hier muss man schon wissen, wie man jetzt das Licht richtig misst. Du machst Dir wirklich keine Freunde, wenn Du nicht ehrlich bist. Das Paar hat nur diesen einen Tag und die Erinnerung daran sind Deine Fotos.


Mein Tipp:
Die erste Hochzeit sollte man niemals alleine fotografieren. Das Paar sucht sich einen guten Fotografen und Du agierst erstmal als zweite Besetzung. Du kannst für Dich einiges austesten, kannst gucken, ob Dir Hochzeiten liegen usw… Wenn die Fotos nichts werden, dann macht es einfach nichts.


3. Die Vorbereitung und Dein Equipment

Die ersten beiden Hürden hast Du genommen, jetzt geht es ran an die Planung. Gehe mal von einer Hochzeitsreportage aus. Erstelle Dir einen Ablaufplan mit Uhrzeiten, Adressen (Wo ist der Friseur, wo die Kirche, wo wird gefeiert?) und Ansprechpartnern wenn mal was schief gehen sollte (Auto bleibt stehen usw. es ändert sich etwas im Ablauf). Schau Dir die Locations vorher gut an und mache dir eventuell Notizen über die Lichtverhältnisse. Wenn es eine kirchliche Trauung gibt, sprich mit dem Pastor, wo Du dich bewegen darfst usw… Bei einer Hochzeit muss man als Fotograf auf alles vorbereitet sein. Minimiert das Unerwartete durch eine gute Planung.

Zu der Vorbereitung gehört auch das eigene Equipment richtig einzuschätzen und gegebenfalls zu erweitern. Wenn Du dir die Locations anschaust, kannst Du direkt ein paar Testbilder schießen. Schau ob Deine Objektive Lichtstark genug sind, um in einer Kirche ohne Blitz zu fotografieren. Deckst Du weiterhin mit Deinen Objektiven auch alle nötigen Brennweiten ab? Sind genügend Akkus und Speicherkarten vorhanden? Kannst Du vielleicht zwischendurch ein Backup machen (Image Tank oder Notebook)? Besorge Dir auch aufjedenfall einen zweiten Body. Wenn Deine Kamera ausfällt, wirst Du dankbar sein und solltest Du viel mit Festbrennweiten fotografieren wird das Handling ebenfalls einfacher sein. Du willst ja auch Deinem Brautpaar nicht sagen, dass sie kein Bild vom “Ja” haben, nur weil Deine Kamera ausgefallen ist. Equipment kannst Du zum Beispiel recht günstig bei

Calumet oder Lensavenue leihen. Nimm für das Portrait Shooting eventuell noch Reflektoren mit. Du hast Dir ja vorher die Lokation angesehen, dann weißt Du auch wo Du z.B. fotografieren kannst, wenn die Portraits um 12 Uhr Mittags statt finden sollen. Überlege Dir auch auf jedenfall Alternativen, falls es doch regnen sollte.


4. Es geht los…

Am Tag der Hochzeit solltest Du einen Tag vorher schon Deine Taschen gepackt haben. Falls Du Geräte leihst, sollten die auch einen Tag vorher bei Dir eintreffen. Achte bei weiten Strecken auf Staumeldungen und fahre rechtzeitig los. Denke immer daran, Du hast immer nur die eine Chance. Verpasst Du ein “Event” bei der Hochzeit, dann wirst Du es nicht nachholen können.


Folgende Stichpunkte solltest Du verinnerlichen:

• Sei immer vorbereitet und überlasse nichts dem Zufall

• Freue Dich über jedes gute Foto

• Überprüfe immer die Settings Deiner Kamera

• Sei immer im Kontakt mit dem Brautpaar oder dem Koordinator

• Halte die Augen offen

• Sei immer vorbereitet und überlasse nichts dem Zufall

Sehr wichtig ist noch, dass Du dich unauffällig bewegst. Du stehst nicht im Mittelpunkt, sondern das Brautpaar. Du kannst viel mehr Emotionen erhaschen, wenn Du mit Abstand fotografierst. Vermeide so oft wie möglich das Blitzen. Wenn Du von der Ankleide bis zum Brautstraußwerfen alles im Kasten hast, verschwinde nicht einfach, sondern sprich kurz mit dem Brautpaar ob Deine Dienste noch benötigt werden. Bei Freunden oder Verwandten kannst Du jetzt dein Equipment verstauen (Aber bitte nicht einfach im Auto) und anfangen zu feiern.


5. Postprocessing

Du hattest jetzt einen sehr langen Tag, bist sicherlich fix und fertig und hast hunderte, wenn nicht sogar an die tausend Bilder geschossen. Diese willst Du aber nicht einfach so an das Brautpaar übergeben. Sortiere aus und nimm einfach nur die schönsten Bilder. Es bringt nichts, wenn das Paar das selbe Bild in zehn Versionen bekommt, wo sie mal nach links guckt und er nach rechts und beim nächsten ist es umgekehrt. Sei gnadenlos beim Aussuchen und nimm wirklich nur die Besten. Lieber 100 richtig gute Fotos, als 200 Fotos wo die Hälfte nicht so gut ist. Ein Hochzeitspaar will in der Regel sich an diesen Tag erinnern und nicht einfach nur stur Fotos durchgucken. Achte auf den Weißabgleich und passe die Bilder ein bisschen an. Du hast ja alles in RAW fotografiert und hast hier noch genügend Freiraum. Beschneide die Bilder ruhig und wandle das eine oder andere in Schwarz/Weiß oder Sepia um. Gebe Dir vielleicht noch ein bisschen Mühe bei der Übergabe. Verpack die CD/ DVD nett und schau Dir die Fotos gemeinsam mit dem Brautpaar an. Sie sollen Dir auch ein Feedback geben, denn nur so kann man lernen. Wenn Du gute Arbeit geleistet hast und Dein Brautpaar strahlt, wenn Sie Deine Bilder begutachten, dann weißt Du auch schon von alleine, dass Du einen guten Job gemacht hast.


Résumé

Und wie wars? Hat es Dir gefallen eine Hochzeit zu fotografieren? Sicherlich wirst Du feststellen, dass es unglaublich viel Arbeit macht. Du musst vor der Hochzeit, während der Hochzeit und danach einiges an Zeit und eventuell Geld investieren. Es ist keine Schande auch dafür etwas zu verlangen, auch wenn es vielleicht Deine erste Hochzeit ist. Nur übertreibe es nicht.

 

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11 Kommentare

OlliNo Gravatar

Vor dieser Frage stand ich ebenfalls vergangenes Jahr. Ich sagte, klar fotografiere ich, keine Problem… aber nur wenn ein Profi dabei ist, weil ich mir selbst dies nicht zu traue… letztendlich hatte ich die Hochzeit gerettet, da alle Bilder der zweit Kamera des Profis nichts wurden (Festbrennweite 50mm) – er hat nicht erklärt was das Problem war.

Dem Brautpaar gefielen meine Ergebnisse, weil ich “andere” Fotos machte. Wer hat zum Beispiel schon Bilder vom Making-Off mit Reflektor und Fotograf?

manneNo Gravatar

Wow. Kannst du Gedanken lesen?
Ich wurde gefragt ob ich die Hochzeit von einer Freundin fotografieren kann. Und jetzt dieser Artikel.
DANKE!

Borys SobieskiNo Gravatar

Sehr schöner Artikel, gefällt mit.
Die aufkommenden Probleme und Hürden schön beschrieben.

TOLL

BrittaLNo Gravatar

Klasse Einblick und Tipps !

Ich fotografiere schön länger, wurde aber jetzt auch gefragt, auf Hochzeiten zu fotografieren! Deine Tipps sind mehr als wertvoll und ich bin gespannt, ob ich sie auch gut verinnerlicht habe um die nächsten Shootings positiv zu gestalten!

Fotografische Grüße
Britta

JennyNo Gravatar

Super Artikel, vielen Dank! Ich denke du triffst den Nagel auf den Kopf: manchmal ist es einfach besser, auch mal nein zu sagen – meiner Freundin wären viele Tränen erspart geblieben, denn ihr gefallen ihre Hochzeitsbilder nun gar nicht. Ich denke, es sind nicht primär die fotografischen Fähigkeiten, die die größte Rolle spielen, sondern die Erwartungen auf beiden Seiten müssen stimmen.

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Peter BrauersNo Gravatar

Wow, super Tipps von Michael Weßel, mit dem ich erst letztens ein Interview führen durfte. Leicht verständlich und äußerst informativ. Kompliment,
liebe Grüße, Peter

Christian BorngräberNo Gravatar

Vielen Dank für deine kurze Zusammenfassung.

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