die große Spiegelreflexkamera-Verlosung

Dies ist ein Gastartikel von Manuel Mauer. Er ist 29 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Manuel Mauer ist seit 2005 semiprofessioneller Fotograf, seit Mitte 2007 bietet er seine Dienste unter Fotografie Mauer an. Seine Arbeitsgebiete fand er ziemlich schnell im Bereich Mensch, Reportage und inszenierte Fotografie. Sein Portfolio ist unter www.fotografie-mauer.de zu finden. Über seine Arbeit bloggt er regelmäßig auf www.stanley-goodspeed.com und twittert unter www.twitter.com/fotomauer.

Meine (hoffentlich) Öfteren Gastartikel auf Fotoholiker möchte ich mit einem sehr grundlegendem und plakativen Thema beginnen: “Natürliche und gute Porträts”. Ein Thema, mit dem auch erfahrene Fotografen immer wieder aufs Neue kämpfen, ist das doch häufig das geforderte Ziel.



1. Es werde Licht

Das schwierigste beim Fotografieren ist das richtige Licht. Gibt es das überhaupt, das richtige Licht? Ein im Studio perfekt ausgeleuchtetes Objekt wirkt langweilig. Vor allem, wenn man draußen oder in “normalen” Innenräumen fotografiert, hat man als Fotograf wenig Einfluss auf das Licht. Oder? Meines Erachtens falsch.


Herbst

 

Das beginnt bereits bei solch einfachen Dingen, wie in Räumen alle verfügbaren Lichter einzuschalten oder einschalten zu lassen. Für Porträts wenn möglich, immer ans Fenster gehen. Natürliches Licht ist immer noch das schönste Licht. Essentiell ist auch die Gabe der Beobachtung: Selbst wenn ich ohne Kamera unterwegs bin, ertappe ich mich dabei, bei meinen Gesprächspartnern zu studieren, welche Reflexionen in den Augen zu sehen sind und wie die vom Licht abgewandte Seite des Gesichts wirkt. Vor kurzem nahm ich einen Schnappschuss in einem Kaufhaus auf. Durch die vielen Reklameschilder, punktuellen Lichtquellen und Strahler ergab sich ein wahres Lichtermeer in den Pupillen der aufgenommenen Person

Es gibt immer ein sogenanntes Hauptlicht. In diese Richtung drehe ich die “schöne” oder eben die Seite der Person, die ich auf alle Fälle abbilden will. Der nächste Schritt ist, einen Aufheller von der zweiten Seite zu bringen. Dies kann ein Reflektor, ein Blitz, ein weißes Tuch oder sogar ein Stück weißes Papier sein. Selbst die Beleuchtung eines eingeschalteten Mobiltelefons gibt einen interessanten Effekt. Das Bild mit dem Mädchen und dem Laub ist an einem Herbstabend um etwa fünf Uhr entstanden. Ohne einen Aufheller von rechts wäre das Gesicht in Dunkelheit untergegangen. Eine Begleitperson ist hierbei immer ein Vorteil, ist diese noch geschult, da öfters dabei, macht es dies noch einfacher.


Am Set

Bei diesem Foto wurde mittels eines Sunbounce Pro silber die rechte Seite des Models aufgehellt.

 

 

Übrigens: Zu viel Licht ist auch nicht immer gut. Deshalb: Bei Sonne, wenn man nicht unbedingt mit starken Blitzen arbeiten will, erstmal in den Schatten gehen. Vermeidet hässliche Schatten unter den Augen und ständiges Blinzeln.


2. Der Blickwinkel machts

Wer sagt, das Models muss frontal zur Kamera stehen, in die Kamera schauen und der Fotograf muss auf Augenhöhe sein? Spannende Aufnahmen leben von interessanten Perspektiven, die man im Alltag nicht sieht. Nach meinen Fotoshootings tut mir meist alle Knochen weh. In die Knie gehen, irgendwo hinkauern, auf etwas klettern, sich strecken… weg von der “Normalhöhe”. Ich habe bisher keine Hochzeit fotografiert, wo ich nicht in meinem Anzug vor dem Brautpaar auf dem Boden lag, um einen spannenden Blickwinkel einzufangen.  Für das Bild mit den Turnschuhe lag ich auch etwa eine gute viertel Stunde auf dem flachen Bauch, bis alles gepasst hat.



Sport


Und klar, die Hauptmerkmale, auf die der Betrachter konditioniert ist, sind die Augen des Abgebildeten. Aber gerade deshalb kann und darf, ja sollte sogar das Model mal aus dem Bild schauen, mal die Augen niederschlagen und sich ruhig einmal von der Kamera abwenden. Eines der Hauptqualitäten eines Models liegt in der Fähigkeit, mit den Augen und den Blicken zu spielen und Spannungen zu erzeugen.


3. Natürlich natürlich

Schon mal bei der Betrachtung eines Bildes das Gefühl gehabt, es wirkt nicht “echt”? Oder ein Bild von sich selbst gesehen und gedacht: “Nee, dass bin nicht ich.”?

Um als Fotograf diese Erfahrungen zu vermeiden und nicht nur Posen oder die bekannten “Foto- Gesichter” einer Person auf den Chip zu bannen, gehören mehrere Punkte. Der Fotograf sollte sich nicht hinter der Kamera verstecken, ständig in seinen Bart hinein murmeln und nur an seinen Knöpfchen und Schrauben drehen. Dies sollte aus Sicht der zu fotografierenden Person eher Nebensache sein. Viel angenehmer und dem Ergebnis zuträglicher ist eine stetige Konversation, dem Model Fragen stellen, die Person entspannen. Dem Mädchen in dem Bikini war es eiskalt bei dem Fotoshooting im Wasser. Doch durch irgendeinen dummen Witz (den ich leider vergessen habe…) ist dieses schöne Lächeln entstanden.


Wichtig auch: Nie die Kamera aus der Hand legen. Die besten und natürlichsten Bilder entstehen während der kleinen Pausen. Sehr hilfreich können dabei auch Begleitpersonen des Models sein, die den Menschen vor der Kamera viel besser kennen und eine gewisse Vertrautheit zum Fotoshooting mitbringen. Bei Pärchen- oder Familienfotos reicht es häufig bereits, den Beteiligten ein oder zwei Stichwörter zu geben, über die sie sich unterhalten sollen. Und dann heißt es nur noch: Warten.


Im Wasser

 

4. Weniger ist mehr

Porträts leben davon, Dinge anzudeuten. Dies gilt vor allem für den Hintergrund und die Umgebung. Um klar zu machen, dass die fotografierte Person sich an oder in einem alten Gemäuer aufhält, muss nicht die komplette Burg mit der Person abgebildet werden. Es reicht ein teilweises Zeigen einer alten Wand, gegen das das Model lehnt.


Schminken

 

Im klassischen Sinne sind Porträts häufig Aufnahmen von dem Gesicht, höchstens dem Oberkörper. Hierfür muss der Fotograf aber ziemlich nah ran, speziell bei den Kompaktkameras, den kurzen Kit- Objektiven der Spiegelreflexkameras oder der häufig genutzten 50 mm– Festbrennweite.


5. Vergesst die Regeln

Und das wichtigste zum Schluss: Vergess die Regeln. Sowohl zum Thema Bildkomposition als auch zur Technik, zum Posing und was es sonst noch gibt. Die wenigsten Fotosessions, die man bereits mit festen Bildern im Kopf antritt, wirken im Ergebnis noch wirklich und echt. Fotoshootings mit festen Erwartungen anzugehen macht häufig nur Sinn, bei Auftragsarbeiten für Werbung, Unternehmen, Stockfotografie und ähnlichen Feldern.


Gesicht


Regeln brechen bringt oft Spannung, Dynamik und das gewisse Etwas ins Bild. Warum nicht einmal den Kopf der Person anschneiden, bewusst schief fotografieren und nicht im goldenen Schnitt.

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6 Kommentare

Alexander SpankeNo Gravatar

Sehr schöner Beitrag, und wieder mal zeigt es, mach wie DU es willst jenseits fester Regeln und es entstehen die schönsten Aufnahmen ;)

PakamiNo Gravatar

In der Tat, wirklich ein schöner Artikel.
Aber die Regeln sollte man doch generell öfter mal vergessen (von einigen Bereichen natürlich mal abgesehen.). Wie heißt es doch so schön? Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom ;-)

manneNo Gravatar

Guter Artikel!

orania-fotoNo Gravatar

Guter Artikel und er beschreibt genau das was ich auch in meinen Fotos versuche umzusetzen… Weg von den Regeln, bis auf vielleicht die einen oder andere Arbeit für Auftraggeber etc…
Nur wenn der Kopf frei von geistigen Fesseln ist, entstehen die schönsten Aufnahmen.

MaikeNo Gravatar

Danke für die guten Tipps hier, kurz und doch aufschlußreich.
Genau was ich gesucht habe, das Bild mit den Turnschuhen find ich übrigens echt klasse.

Björn KrausNo Gravatar

Hi,
sehr schöner Artikel und im Moment auch genau das richtige, da ich für Ostersonntag nen Termin für ein Fotoshooting mit einer Bekannten habe und meine letzten ernsthaften Portraits nun schon über ein halbes Jahr her sind.

Insofern danke für die kompakte und gelungene Auffrischung.

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