Das ausdrucksstärkste Gestaltungsmittel der Fotografie ist zweifellos die Farbe. Einzelne Farben wecken starke emotionale Assoziationen, weshalb man mit ihnen vorsichtig umgehen sollte, denn nicht jeder mag alle Farben. Kräftige Farben ziehen sofort den Blick auf sich, während weniger intensive Farben mit dem Hintergrund verschmelzen. Manche Farben wirken beruhigend, andere wiederum haben einen anregenden Effekt. Häufig wird die Wirkung von Farbe noch verstärkt, in dem sie in Kombination verwendet werden.Nicht alle Farben erzielen beim Betrachter eines Bildes den gleichen Effekt. Einige stechen sofort ins Auge und rufen beim Betrachter eine stärkere emotionale Reaktion hervor als andere. Aus diesem Grund tragen Grundkenntnisse der Farbenlehre zur Verbesserung der Wirkung Deiner Bilder bei.


Farbkreis

FarbkreisDer Farbkreis ist für Maler wie auch für Fotografen ein äußerst pratisches Hilfsmittel. Die Art und Weise, wie die Farben miteinander reagieren, ist von der Position im Farbkreis abhängig. Die drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau sind im Uhrzeigersinn nach den Farben des Regenbogens in gleichmäßigen Abständen voneinander angeordnet. Die drei Sekundärfarben Grün, Violett und Orange (zwei Primärfarben werden miteinander gemischt) liegen dazwischen. Durch Mischen der nebeneinander liegenden Primär- und Sekundärfarben entstehen die Tertiärfarben.




Farbharmonie

WellensittichNicht nur Farben aus unterschiedlichen Bereichen des Farbkreises, die sich gegenseitig ergänzen oder miteinander kontrastieren, können gemeinsam auf einer Aufnahme verwendet werden. Versuche deshalb ruhig weitere Farbkombinationen. Um eine starke, ausgewogene Farbwirkung zu erzielen, kombiniert man am besten Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen. Denn sobald man diese so genannten Komplementärfarben miteinander mischt, entsteht weißes Licht, das ein harmonisches Bild bewirkt. Vereine auch einmal, die Farbtöne, die im Farbkreis nebeneinander liegen, auf einem Bild. So wirkt ein Orangegelb beispielsweise sehr gut neben einem Gelb, besonders dann, wenn beide Farbtöne nicht zu intensiv ausfallen.




Farbpsychologie

Durch die Verwendung bestimmter Farben in einem Bild kannst Du mit dem Betrachter des Bildes auf emotionaler Ebene kommunizieren. Allgemein betrachtet sind die Farben auf der warmen Seite des Farbkreises ehr positiven Emotionen zugeordnet, während mit kalten Farben negative Gefühle verbunden werden. Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung, denn am Wichtigsten beim Auslösen von Emotionen spielt der Inhalt. Trotzdem können gewisse Farben die Wirkung eines Motivs zusätzlich verstärken oder es in Bezug zu bestimmten Gefühlen setzen. Achte deshalb beim Fotografieren stehts auf die Farben und die damit verbundenen Emotionen bzw. was für eine Botschaft du mit diesem Bild vermitteln möchtest.


Blau: freundlich, kühl, sauber, harmonisiert, beruhigend, entspannend

Violett: unruhig, feierlich, stolz, künstlich, arrogand

Rot: unruhig, agressiv, leidenschafftlich, auffällig , warm, aktiv, erregend, selbstbewusst

Orange: warm, fröhlich, heiter, frisch, stimmungsaufhellend

Gelb: freundlich, optimistisch, positiv, leicht, sauber, frei, lustig, warm, heiter

Grün: sicher, ruhig, frisch, lebensfroh, naturverbunden

Braun: langweilig, zurückgezogen, solide, streng, sinnlich, schwer, natürlich

Grau: abweisend, düster, langweilig, versteckt, unbeteiligt, gleichgültig

Schwarz: traurig, bedrohlich, hoffnungslos, schwer, pessimistisch, zwanghaft

Weiß: strahlend, friedlich, leer, freundlich, leicht, ordentlich, sauber, rein


Anmerkung: Kulturelle Unterschiede

Ein besonders auffälliger Unterschied zwischen den Kulturen besteht bei der Farbe, die mit dem Tod in Verbindung gebracht wird. In der westlichen Welt steht die Farbe Schwarz für Trauer, in den östlichen Kulturen die Farbe Weiß und in Ägypten symbolisiert Gelb den Tod.


Farbkontraste

Möchte ein Fotograf mit seiner Aufnahme vor allem Aufmerksamkeit erregen, so wählt er keine gedeckten Töne, sondern leuchtende. Der Einsatz kräftiger Farben betont nicht nur die Bildaussage, sondern sorgt auch dafür, dass ein Bild nicht übersehen wird.


Farbe- an- sich- Kontrast

Der Farbe- an- sich- Kontrast ist der Kontrast verschiedener Farben zueinander. Allein durch das Nebeneinanderstehen unterschiedlicher Farben, entsteht eine Kontrastwirkung. Die Farben wirken für sich und im Wechselspiel mit den Nachbarfarben.


Hell- Dunkel- Kontrast

Durch den Kontrast von Flächen verschiedener Helligkeit kann meist Spannung im Bild aufgebaut werden. In der Regel wird viel zu wenig auf die Helligkeit einer Farbe geachtet, da man sich von ihrer Farbigkeit “blenden” lässt. Geschickt eingesetzt, ist der Hell- Dunkel- Kontrast jedoch viel mehr als nur ein reiner Farbkontrast.


Kalt- Warm- Kontrast

Aus unterschiedlichen Temperaturen, die Farben zugeordnet werden, kann sich in einem Bild der Kontrast ergeben. Der Farbkreis kann durch halbieren in einen Bereich mit kalten und einen Bereich mit warmen Farben aufgeteilt werden. Dabei befinden sich die kalten Farben auf der linken Seite des Farbkreises und die warmen Farben auf der rechten Seite.


Qualitäts- und Quantitätskontrast

Ein Qualitätkontrast entsteht, wenn Farbflächen unterschiedlicher Farbqualität zusammentreffen, beispielsweise leuchtende und vergraute Farben.


Komplementär- Kontrast

Mit dem Einsatz eines Komplementärkontrastes kann man starke Aufmerksamkeit erzielen. Der Komplementär- Kontrast wird sehr häufig eingesetzt und ist die Basis vieler Gestaltungen. Die Komplementär- Farben sind im Farbkreis jeweils gegenüber angeordnet.


Simulant- Kontrast

Die Kombination unterschiedlicher Farben führt dazu, dass der gleiche Farbton, je nachdem auf welcher Hintergrundfarbe er sich befindet, anders wirkt.


Mit Farben gestalten

Farbpalette reduzieren

HerbstÜberwiegen in einem Bild viele, gleichartige Farben, entsteht ein monochromer Bildeindruck. Durch diesen monochromen Bildeindruck lassen sich ganz besonders reizvolle Aufnahmen durch die Reduktion der im Bild vorhandenen Farbtöne erzielen. Einzelne Farben können so viel besser wirken, wenn sie nicht mit mehreren anderen Farben um den Blick des Betrachters kämpfen müssen. Bei monochromen Bildern spielt jedoch der Bildaufbau eine ganz besondere Rolle, da die Farben allein sehr schnell langweilig werden können.




Farben betonen

TulpenDurch die gezielte Betonung von Farben verleihst Du Deinen Bilderm mehr Kraft. Dies lässt sich beispielweise erzielen, in dem in einem Bild zwei Farben, die sich im Farbkreis gegenüber liegen zusammentreffen. Auch kleine, aber intensive Farbtupfer in einem ansonsten fast monochromen Bild können hervorragende Akzente setzen und den Blick des Betrachters auf sich ziehen. Starke, kräftige und gesättigte Farben wirken sehr viel intensiver auf den Betrachter, als ausgewaschene, verbleichte Farben oder Pastellfarben. Du solltest Dir auf jedenfall stets Gedanken darüber machen, wie die Farben im Bild erscheinen und wie sie auf den Betrachter wirken könnten.



Farbe und Emotion

HundDurch den Einsatz bestimmter Farben in einer Fotografie kannst Du die Gefühle des Betrachters beeinflussen. Im Allgemeinen sind die Farben auf der warmen (rechten) Seite des Farbkreises eher positiven Gefühlen zugeordnet, während dessen kalte Farben (linken Seite) negativen Emotionen zugewiesen werden. Selbstverständlich ist dies eine grobe Verallgemeinerung, denn der Schlüssel zum Auslösen von Emotionen spielt der Inhalt. Dennoch können bestimmte Farben die Wirkung eines Motives zusätzlich verstärken oder es in Bezug zu bestimmten Gefühlen und Emotionen in Verbindung bringen. Achte aus diesem Grund beim Fotografieren stehts auf die Farben im Bild und die damit verbundenen Emotionen.

Fotowettbewerb

1 Kommentar

Linktips zum Wochenende | Jörg Esser Fotografie

[...] 3. Einen Beitrag zur Farbgestaltung und Farbwirkung in Fotos hat Julia von yourstern.de veröffentlicht. Sehr interessant und gut erklärt. Einfach mal reinschauen. (deutsch) [...]

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