die große Spiegelreflexkamera-Verlosung

Dies ist ein Gastartikel von Silja Korn. Silja ist 44 Jahre alt, verheiratet und hat einen 18 jährigen Sohn. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt  sie in Berlin. Ihre Leidenschaft ist die Fotografie. Dabei ist diese Leidenschaft mit Siljas Handicap fast schon ein ganz besonderes Hobby. Silja Korn fotografiert leidenschaftlich gerne trotz ihrem Handicap- der Blindheit.


Mein Leben

Mit 12 Jahren habe ich durch einen schweren Autounfall, welcher mich völlig aus meinem vorigem Leben geworfen hat, mein Augenlicht verloren. Folglich musste ich damals zur Blindenschule wechseln um die Brailleschrift zu erlernen. Das alles viel mir nicht gerade leicht. Da ich mich von meinen damaligen Pädagogen schlecht unterstützt fühlte, wuchs während dieser Zeit in mir der Gedanke, Erzieherin zu werden. Meine Idee war eine Art Vermittlerin zwischen blinden Kindern, Erwachsenen und Pädagogen zu sein.

Diesen Wunsch konnte ich leider nie umsetzen, dennoch bin ich Erzieherin geworden und auch seit 21 Jahren in diesem Beruf tätig. Heute bin ich froh, dass mein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen war. Denn so kann ich heute viel mehr bewegen.

Durch meine Berufswahl habe ich auch wieder ins Leben zurückgefunden. Nun wurde ich wieder auf so vieles neugierig wie zum Beispiel auch auf das Fotografieren.


Meine Leidenschaft: Das Fotografieren

Eine Fotografin hatte die Idee, blinden Menschen das Fotografieren näher zu bringen, darum wandte sie sich an den Blindenverein Berlin. Als ich das Inserat gelesen hatte, fühlte ich mich von dieser Idee magisch angezogen und rief sie an.

Die SchöneWir zogen viele Male mit den Kameras durch die Straßen und so zeigte sie mir auch, wie ich eine Digitalkamera bediene. Die Handhabung fand ich nicht schwer und so schoss ich ein Foto nach dem anderen. Ja, so wirds gemacht! Wenn mir eine Athmosphäre gefällt, in der ich mich gerade befinde drücke ich auf den Auslöser. So entstand auch das Foto “Die Schöne”. Eine Frau mit hohen Hacken lief an mir vorbei, das hörte sich super an und ich sagte zur Fotografin “Mensch, die möchte ich gerne fotografieren.” Sie ermutigte mich und ich drückte auf den Auslöser, als die Dame fast an mir vorbei war. Daher habe ich sie nicht ganz auf das Foto bekommen. Es sieht eher aus, als würde da ein Schatten übers Bild hüpfen.

Meine Technik ein Bild zu schießen ist auch nicht so, wie man dies eigentlich üblicher Weise kennt. Manchmal halte ich die Kamera unterhalb von meinem Kinn oder vor meinem Bauch und auch hinter meinem Rücken. Es kommt auch vor, das ich sie auf meinem Kopf platziere oder sie in Richtung Boden richte. Nach unseren Streifzügen durch die Stadt, berichtete mir die Fotografin, was ich für Bilder geschossen habe. Dabei fiel mir auf, das für mich eine Art Fenster zur Außenwelt wieder geöffnet wurde. Die Leute fingen an, sich mit mir über meine Fotographien auszutauschen. Das interessante war aber dabei, das sie meine Beeinträchtigung darüber völlig vergaßen. Von meiner Leidenschaft als nicht sehender Mensch fotografieren zu wollen, kannst Du dich auch gerne auf meiner Seite www.siljakorn.de informieren.


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10 Kommentare

Ulrich T.No Gravatar

Wow, ich bin zwar kein Fotoholiker, bezeichne mich eher als Amateur, aber davor ziehe ich den Hut. Respekt!
Und die Bilder auf der Homepage sind wirklich voller Gefühle, finde ich.

Das hört sich spannend an und ist eine absolut unkonventionelle Art Fotos zu machen. Viel emotionaler und vor allem spontaner.

Ich stelle mir gerade die Frage, was man wohl selber fotografieren würde, wenn man sich die Augen verbindet?

Werde es bestimmt mal ausprobieren.

fritzNo Gravatar

Oh wundervoll, erinnert mich an etwas, was ich bei der BBC gesehen habe:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/8466714.stm

“Photography by blind people:
How can you use a camera if you can’t see? Over 30 blind and visually impaired adults from the UK, Mexico and China have been trained in sensory photography techniques to create and experience photos.”

Fotografie mit anderen Sinnen wahrnehmen, einfach faszinierend…

DanielNo Gravatar

Also erstmal vorweg: Meine Anerkennung!

Ich finde es gut das man auch mit Handicap Dinge versucht, die einem eigentlich so normal gar nicht zugedacht werden. Und vor allem das man die Sache dann auch durchzieht.

Was mich bei den Fotos sehr anspricht ist die Perspektive und auch die Bildschnitte. Man kann also selbst ohne sehen was sehen. Bin schwer begeistert von den Fotos.

Grüße aus dem Norden Berlins

MichaNo Gravatar

Sehr beeindruckend! Kann man sich gar nicht vorstellen da zum Fotografieren ja erst mal sehen dazugehört – sollte man jedenfalls meinen. Aber die Bilder auf der Seite beweisen das Gegenteil. Da sind echt gute dabei. Die Frage die sich Ulrich stellt ist mir auch schon durch den Kopf gegangen.

DanielaNo Gravatar

Eine faszinierende Frau! Weiter so, Silja!

petraNo Gravatar

Danke für den Beitrag.

*Rollierende Grüße

Frederik R.J. KreijmborgNo Gravatar

Für mich klingt das absurd. Warum sollte die Leidenschaft einer blinden Frau wirklich das Fotografieren sein?

Oder das liebste Hobby eines tauben Menschen das Spielen der Trompete in einer BigBand?

Was hat man denn selbst von dem Hobby (dem Ergebnis der Tätigkeit, die man “leidenschaftlich” betreibt), wenn man es nicht betrachten kann?

Wie soll ich diese Fragen Silja stellen, wenn sie blind ist und meine Skepsis nicht lesen kann?

Julia SternNo Gravatar

Hallo Frederik R.J. Kreijmborg,

in der heutigen Zeit wird auch Blinden sehr viel ermöglicht. So können Blinde beispielsweise auch mit einer speziellen Hard- bzw. Software Texte im Web lesen bzw. schreiben.

Blinde fotografieren ganz klar anders- nicht wie sehende. Sie halten wohl mehr das fest, was sie anders wahr nehmen (die Geräusche, Töne, etc…). Auch das kann sich zu einer Leidenschaft entwickeln.

Viele Grüße
Julia

Frederik R.J. KreijmborgNo Gravatar

Liebe Julia,

danke für deine rasche Antwort!

Ich frage mich nun jedoch weiter, wie ein blinder Fotograf beispielsweise das Motiv “Kinderspielplatz mit Rutsche” fest-hält.

Er (der blinde Fotograf) knipst also ein Bild, von welchem er glaubt, dass es bestimmte Aspekte (Geräusche, Töne, etc.) enthält.

Es ist jedoch ein Bild und das speichert ausschließlich visuelle Informationen.

Wenn der blinde Fotograf nun in seinen Archiven stöbert, dann fühlen sich doch sicher alle Abzüge gleich an. Wie kann man also als blinder Mensch die Situationen wirklich einfangen?

PS: Dass sich Tätigkeiten, deren Sinn zumindest ich nicht verstehe, zur Leidenschaft entwickeln können, zweifle ich nicht weiter an :-).

Frederik

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