Mein Name ist Sven Seebeck. Seit sechs Jahren lebe ich nun im Norden Finnlands und arbeite als Musiker. In meiner Freizeit widme ich mich der Landschaftsfotografie und meinem Blog “From 10 to 300 mm“.
Meine Leidenschaft gehört definitiv der Landschaftsfotografie und ich beanspruche nicht im Geringsten hier eine gewisse Perfektion erreicht zu haben, ganz im Gegenteil. Ich verbringe viel Zeit damit, nach Verbesserungen meiner Technik, der Art Landschaften zu “sehen” und nach neuen Inspirationen zu suchen, um mein fotografisches Repertoire zu erweitern.
In diesem kleinen Artikel möchte ich jedoch ein paar Punkte beschreiben, die mir geholfen haben, oder besser, noch immer helfen, mich weiterzuentwickeln. Einige scheinen profan und simpel, andere vielleicht nicht, und sind wahrscheinlich in keinster Weise universell gültig, sie funktionieren aber für mich.
Landschaftsfotografie verlangt Leidenschaft und man muss Opfer bringen. All zu häufig kommen einem Arbeit, Feierlichkeiten oder sonstige soziale Aktiväten in den Weg. Während der Arbeitgeber wahrscheinlich relativ wenig Verständis für zu spätes Erscheinen oder verfrühtes Verlassen von der Arbeit, am besten noch mit dem Kommentar “Sorry, aber das Licht wird heut’ klasse werden” hat, ist dies bei privaten Angelegenheiten schon einfacher. Man sollte seinen Freundeskreis einfach schon vorher darauf eintunen, dass man eventuell später kommt, früher geht oder schlicht gar nicht kommt (auch wenn die einen dann für völlig abgedreht halten).
Das Morgen- und Abendlicht kann selbst das langweiligste Motiv gut aussehen lassen. Ein alter Hut aber wahr. Wahr ist aber auch, dass aufstehen um vier Uhr morgens schlicht und ergreifend weh tut. Gut ist allerdings das Kaffee um diese Zeit nicht nur besser schmeckt, sondern auch noch besser zu wirken scheint. Geht dann alles wie geplant, wird man dafür oft auch mit einer spektakulären Szene belohnt.

Vorbilder sind wichtig. Meiner Meinung nach hilft es enorm, ein gutes Vorbild zu haben. Einen Fotografen, der alles genau so macht, wie man es selber gerne gemacht hätte, wenn man denn könnte. Nicht nur inspiriert es, es gibt einem auch ein gewisses Repertoire an Ideen, Kompositionen etc. Es hilft sich zu fragen wenn man vor einer Szene steht, wie wohl der Fotograf …hier Namen einfügen… die selbe Szene komponiert hätte. Manchmal sehe ich Ähnlichkeiten mit den Formen in der Szene zu einem Foto, welches ich mal gesehen habe und versuche dies dann entsprechend umzusetzen. Ebenso spannend und inspirierend ist es, sich auf die Fotos eines Fotografen einzulassen, der einem Neu ist. Einem, der gerade genau die Bilder macht, auf deren Idee man selber überhaupt nicht gekommen wäre. Ich empfinde dies als sehr motivierend und versuche dann diese neuen Ideen oder Techniken selber einmal umzusetzen. Mal funktioniert es, mal nicht. Auf diese Weise kann man aber auf jedenfall seinen eigenen Horizont erweitern. Ohne Einflüsse von außen wäre dies nicht möglich.
Von spontanen Shootings mal abgesehen, zahlt es sich immer aus, ein Shooting oder ein Motiv zu planen. Das muss jetzt nicht zwingend bis auf die Minute genau sein aber es hilft schon zu wissen, was man fotografieren will und eine Vorstellung davon zu haben, wie dieses spezielle Foto dann aussehen soll. Welche Wetterbedingung möchte man haben, ist das Motiv besser bei bei Sonnenauf- oder untergang beleuchtet oder vielleicht eine spezielle Küstenszene im Sturm, Ebbe, Flut oder was auch immer. Je klarer die Vorstellung von dem fertigen Foto ist, desto einfacher wird es. Man braucht dann “nur” noch zur richtigen Zeit vor Ort sein und auf den Auslöser drücken. Meistens habe ich eine Idee oder Vorstellung, wenn ich irgendwo hingehe. Habe ich dann das Foto, welches ich machen wollte im Kasten, gehe ich in der Umgebung herum und suche nach neuen Motiven. Oft schon sind auf diese Weise bessere Fotos entstanden, als das eigentlich geplante Bild.

Beim Komponieren immer Zeit lassen. In der Landschaftsfotografie hat man meistens schon etwas Zeit. Diese Zeit versuche ich mir beim Komponieren auch zu nehmen. Immer bevor ich ein Foto mache, sehe ich durch den Viewfinder und überlege, ob ich mir dieses Bild an die Wand hängen würde oder nicht. Sehr oft komme ich zu dem Entschluss, das dieses Bild eher für die Schrankinnenseite geeignet wäre, als über dem Piano. Dann versuche ich eine etwas andere Komposition oder lasse es ganz bleiben und mache einfach kein Foto. Vielleicht entgehen mir auf diese Weise Fotos, aber auf jedenfall habe ich nicht noch mehr Ausschuss.
Sofern möglich versuche ich einen Ort gut kennen zu lernen. Ich gehe immer wieder an verschiedene Plätze zurück, wodurch ich ein gutes Gefühl bekomme, wie sich der Platz in den verschiedenen Jahreszeiten entwickelt. Man lernt beispielsweise von wo die Sonne zu welcher Jahreszeit kommt. Eine Sache, die sich hier im Norden durchaus stark verändert. Bei Seen und Flüssen kommt da noch der Wasserstand dazu oder im Winter Vereisungen. Was für Bäume stehen da zum Beispiel herum. Im Herbst werden Birken rot- orange. Wird es da Reflektionen im Wasser geben? Auf diese Art und Weise finde ich ein Sortiment an Landschaften, welche sich bei bestimmten Jahreszeiten ganz besonders anbieten, während andere vielleicht eher universell zu jeder Jahreszeit in Frage kämen.
Vorbereitung betrifft auch die Ausrüstung. Wenn ich fotografieren gehe, habe ich immer mein Lee- Filter- Set mit Verlaufsfiltern dabei. Diese benutze ich fast immer, weil sie ermöglichen, den gesamten dinaymischen Umfang einer Szene einzufangen. Eine Investition, die sich für mich absolut bezahlt gemacht hat. Außerdem habe ich immer mein Tripod (meine Tripodplatte leider nicht immer), Fernauslöser und eine kleine Wasserwaage für den Blitzschuh, damit die Horizonte gerade werden dabei. Nach langer Zeit mit der Arbeit eines Kugelkopfstativs habe ich wieder zu einem Drei- Wege- Kopfstativ gewechselt. In der Bedienung ist es zwar nicht so einfach, bietet aber mehr kreative Möglichkeiten wie zum Beispiel die Erstellung von Panoramen.
Manchmal ist weit nicht weit genug. Szenen die zwar spektakulär, aber im Großen und Ganzen sehr busy sind, scheinen besser als Panorama zu funktionieren. Ich bin mir da noch nicht so hundertprozentig sicher und noch am Ausprobieren.

Der Wetterbericht ist meistens falsch oder auf jedenfall offen zur Interpretation. Ich versuche das Wetter zu verstehen und den Wetterbericht zu interpretieren. Oft ist der Wetterbericht total im off oder zumindest zu allgemein. Wolkig bedeuted beispielsweise nicht immer zwingend, dass es den ganzen Tag so ist. Eventuell ist das Wetter morgens gut, nur den Rest des Tages nicht. Hier hilft nur gute Beobachtung. Das funktioniert natürlich nicht immer aber oft.
Diese Punkte sind vielleicht nicht unbedingt spektakulär, vielleicht geben sie ja dennoch dem ein oder anderen ein paar neue Anhaltspunkte und Tipps. Ich selbst habe noch viel zu lernen und versuche meine Fotografie stets weiter zu bringen. So betrachte ich auch jedes Shooting als einen gewissen Lernprozess. Immer passieren irgendwelche Fehler, die ich dann beim nächsten Mal versuche zu vermeiden.
Sven Seebeck



Vielen Dank für den Einblick in Deine persönlichen Erfahrungswerte!
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Für Landschaftsfotografie braucht es Leidensfähigkeit, Ausdauer, den Blick für das richtige Motiv, Antizipationsfähigkeit für Licht und Wetterereignissen, und und und. Nur derjenige, den die Leidenschaft wirklich gepackt hat, wird regelmäßig wirklich gute Ergebnisse erzielen.