Neben der Belichtung ist die Schärfentiefe eine der wichtigsten Gestaltungs- und Stilmittel in der Fotografie. Die Schärfentiefe ermöglicht, den Blick des Betrachters gezielt zu lenken. Du möchtest einen Bereich einer Aufnahme besonders betonen? Mit der richtigen Blendeneinstellung beeinflusst Du die Schärfentiefe eines Bilds, wodurch Du einen Motivbereich einfach hervorheben kannst. Ich verrate Dir, wie es funktioniert.
Was ist die Schärfentiefe?
Als Schärfentiefe bezeichnet man den Bereich vor und hinter der eingestellten Entfernung, dessen Objekte ebenfalls ausreichend scharf abgebildet werden. Die Schärfentiefe ist ein wichtiges Gestaltungsmittel in der Fotografie. Mithilfe der Schärfentiefe kann man beispielsweise die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einzelne Objekte lenken.
Die Wahrnehmung der Schärfentiefe
Was als scharf wahrgenommen wird, hängt davon ab, wie viel Unschärfe der Betrachter toleriert. Das wiederum hängt von der Auflösung des Fotos ab, also den kleinsten wahrnehmbaren Bildpunkten und von der Abbildungsart (wird das Foto auf dem Bildschirm gezeigt oder gedruckt?). Als Bilddruck in der Standartgröße 15×10 cm kann ein Bild in allen Bereichen scharf erscheinen. Mit zunehmender Vergrößerung scheint die erkennbare Schärfentiefe allerdings immer geringer zu werden.
Wodurch die Schärfentiefe beeinflusst wird
Die Blende
In erster Linie kontrolliert man mit der Blendenöffnung die Belichtung. Eine kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl) lässt wenig Licht durch, eine größere mehr. Dabei ändert sich allerdings auch die Schärfentiefe. Je größer die Blendenzahl, desto größer wird der scharf abgebildete Bereich. Der durch das Objektiv fallende Lichtkegel wird mit abnehmender Blendenöffnung (kleiner werdende Blendenzahl) spitzer und immer mehr nadelähnlich.
Wenn Du eine große Blende (f/1,8 oder f/3,5) wählst, werden nur anfokussierte Bereiche des Bildes 100% scharf abgebildet. Wählst Du hingegen eine kleine Blende (f/8, f/16), werden viel mehr Details scharf sein. Um dies zu verdeutlichen habe ich 3 Bilder mit unterschiedlicher Blende gemacht.

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f/1,8: Auf dem Foto sind nur wenige Zahlen wirklich scharf abgebildet. Beim Fotografieren habe ich die Zahl “42″ anfokussiert. |

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f/7,1: Bei Blende 7,1 kann man schon deutlich mehr Zahlen erkennen. Die Schärfentiefe im Bild hat sich sowohl nach vorne, als auch nach hinten erweitert. |

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f/22,0: Die kleinste Blende, die ich bei meinem Objektiv auswählen kann, ist f/22,0. Mit diesem Objektiv kann ich also nicht mehr Schärfe erzielen. Wie man sieht, sind bei dieser Aufnahme auf dem Maßband alle Zahlen gut zu erkennen. |
Die Brennweite
Verschiedene Brennweiten ergeben bei gleicher Blendenöffnung unterschiedliche Schärfentiefen. So erzielt ein Teleobjektiv vor und hinter dem Motiv eine sehr geringe Schärfentiefe, ein Normalobjektiv erreicht eine mittlere Schärfentiefe und ein Weitwinkelobjektiv ermöglicht die größte Schärfentiefe.
Der Abstand
Wenn bei unveränderter Brennweite oder Blendeneinstellung Dein Motiv näher und näher an die Kamera heranrückt, nimmt die Schärfentiefe ab.
Die größtmögliche Schärfentiefe erzielen
Um eine maximale Schärfentiefe vom Nahbereich bis Unendlich zu erreichen, gibt es für jede Brennweite eine ganz spezielle Kombination aus Blende und Fokusdistanz, die sogenannte hyperfokale Distanz.
Als hyperfokale Distanz bezeichnet man jene Entfernungseinstellung, die bei der Kombination von Blende und Brennweite die größtmögliche Schärfentiefe ergibt. Sie ist die Distanz zu dem Nahpunkt, der bei der Fokussierung auf “unendlich” noch scharf abgebildet wird, und gleichzeitig die kürzeste Fokussierungsentfernung, die einen “unendlich” entfernten Punkt ebenfalls gerade noch scharf zeichnet.
Bei der Einstellung des Entfernungsrings am Objektiv auf die hyperfokale Distanz (Achtung: Autofokus ausschalten!) und der entsprechenden Blende wird alles ab der halben hyperfokalen Distanz bis Unendlich scharf abgebildet. Wenn Du also zum Beispiel mit einem 18mm Objektiv bei Blende 11 die maximal mögliche Schärfentiefe erreichen möchtest, musst Du den Entfernungsring Deines Objektivs auf 1,8 m stellen. Dadurch werden alle Objekte in einer Aufnahmeentfernung von mindestens 90 cm bis Unendlich scharf abgebildet.
Die Schärfentiefe vorhersehen
Moderne Digitalkameras verfügen über eine Kontrollmöglichkeit, einen Abblendknopf. Mithilfe dessen kannst Du die Schärfentiefe einer Aufnahme bei jeweils eingestellter Blende vorhersehen.
Wenn Du durch den Sucher Deiner Spiegelreflexkamera schaust, dann erscheint das von Dir anfokussierte Motiv. Das ist, ganz egal welche Belichtungszeit Du an Deiner Kamera eingestellt hast immer gleich hell. Da Spiegelreflexkameras mit einer sogenannte “Offenblendenmessung” arbeiten, ist es auch ganz egal, welche Blende an der Kamera eingestellt ist. Die Offenblendenmessung zeigt im Sucher immer das hellst mögliche Sucherbild an.
Der Nachteil dessen ist, dass das angepeilte Motiv im Sucher immer der größtmöglichen Blende Deines Objektivs entspricht. Im Sucher wird ein Bildbereich also immer gleich scharf oder unscharf abgebildet.
Wo befindet sich die Abblendtaste?

Bei den meisten Canon Spiegelreflexkameras befindet sich die Abblendtaste unterhalb der Objektiventriegelungstaste, bei manch anderen Spiegelreflexkameras ist sie auch neben oder unterhalb des Objektives angebracht.
Wenn Du nun das nächste Mal fotografierst und im Voraus genau wissen möchtest, welche Bereiche nun mit der von Dir gewählten Blende scharf abgebildet werden, benutze die Abblendtaste. Dabei wirst Du bemerken, dass (je nach eingestellter Blende) Dein Sucherbild nicht nur die exakte Schärfentiefe darstellt, sondern auch etwas dunkler wird. Das ist deshalb so, da Du dann das Motiv mit der so genannten “Arbeitsblende” sehen kannst.
Julia Stern


Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen: Auf der Website der Fotoschule-Ruhr habe ich ausdruckbare Rechenscheiben zum Ablesen der Schärfentiefe für unterschiedliche Brennweiten und Sensorgrößen zur kostenlosen Nutzung abgelegt.
Zu finden unter http://www.fotoschule-ruhr.de/tipps_013.php.
Bei Nikon D90 befindet sich die Abblendtaste relativ weit oben neben dem Objektiv auf der Seite, auf der sich auch der Auslöser befindet. Sie ist dort etwas schwer zugänglich.
Bei der Nikon D50 konnte ich den entsprechenden Knopf spontan nicht finden. Ich befürchte, mit der Kamera geht man – was die Funktion angeht – leer aus.
Toll erklärt!!!!
Für mich als DSLR Starter eine sehr verständliche Erklärung!
Vielen Dank :-)
LG Heike
[...] Die Schärfentiefe verstehen Im Blog vom Fotoholiker.com erklärt uns Julia Stern die Schärfentiefe und was es damit auf sich hat. Wie der Fotograf durch gezielten Einsatz der Schärfentiefe Objekte besonderst betont oder Andere gezielt in den Hintergrund stellt. Auf jeden Fall einen Blick wert! [...]
Klasse! Ich hab der Abblendtaste bisher nicht wirklich Beachtung geschenkt, aber dank deinem Beitrag weiß ich sie nun umso mehr zu schätzen.
“Schärfentiefe verstehen” ist wohl etwas übertieben für den Artikel, denn verstehen kann man mit diesen Informationen fast nichts. Man liest, wie es ist und welchen Einfluss es hat, aber sicherlich nicht, warum es so ist. Deshalb höchstens “erläutert”.
Es ist ein super Beitrag, danke dafür. Ich nutze die Taste aber realtiv selten da ich gern mit Unschärfen arbeite.