Der wohl größte Nachteil der Digitalen Spiegelreflexkameras ist ihre Empfindlichkeit gegen Staub. Die Kompakt- und Bridgekameras haben keine Wechselobjektive, weshalb auch kein Staub in die Kamera eindringen kann. Bei Digitalen Spiegelreflexkameras kann hingegen bei jedem Objektivwechsel Staub in das Gehäuse gelangen. Selbstverständlich kannst Du die Staubkörner auf Deinen Bildern nachträglich bei der Bildbearbeitung durch verschiedene Werkzeuge korrigieren. Da diese Korrekturen allerdings sehr viel Zeit in Arbeit nehmen, ist es immer besser, wenn Du mit einem sauberen Sensor fotografierst. Deshalb ist es bei Schmutz auf dem Sensor immer nötig, diesen zu reinigen. Wie das funktioniert, möchte ich Dir heute zeigen.
Staubvermeidung
Das Anliegen sollte natürlich darin bestehen, Staubeintritt ins Kameragehäuse so klein wie möglich zu halten. Dafür gibt es ein paar Regeln zu beachten:
• Wechsel Deine Objektive immer an einem möglichst windstillen und staubfreien Ort.
• Schalte die Kamera vor dem Objektivwechsel aus, damit sich der Sensor statisch entladen kann
• Arbeite zügig und lasse das Kameragehäuse nur kurze Zeit offen
• Halte beim Wechseln der Objektive die Kameraöffnung nach unten.
Verschmutzungen feststellen: Testbild aufnehmen
Um den Sensor der Kamera auf Verschmutzungen zu überprüfen, solltest Du jeweils ein Testbild vor und nach der Sensorreinigung aufnehmen. Die Testbilder zeige, wo sich Schmutz befindet und wie erfolgreich Du diesen beseitigt hast. Seit einiger Zeit nutze ich statt dessen eine Sensor-Lupe.
Testbild aufnehmen
1. Autofokus abstellen
2. Entfernung auf ∞ einstellen
3. Kleinste Blende einstellen, zum Beispiel 22 oder 32
4. Aus der Nähe ein weißes, strukturloses Papier fotografieren:
• Das Papier sollte an allen Stellen gleichmäßig beleuchtet sein
• Es sollte das ganze Bild ausfüllen
Wenn Du kein Blatt Papier zur Hand hast, kannst Du natürlich auch die Weißabgleichskarte oder eine einfarbige Fläche fotografieren. Um den Sensor auf Verschmutzungen zu überprüfen, kannst Du alternativ auch eine Sensor- Lupe* verwenden!
Testbild auf Schmutz überprüfen
Das Testbild solltest Du bei 100% am Computerbildschirm auf Verschmutzungen überprüfen. Unterwegs kannst Du dies auch am Kameradisplay (mit Hilfe der Zoomfunktion) erledigen.
Automatische Sensorreinigung durch die Kamera
Um den Staub auf die Pelle zu rücken, solltest Du einmal einen Blick in das Handbuch Deiner Spiegelreflexkamera werfen. Viele Kameramodelle bieten heutzutage eine automatische Sensorreinigung an. Die Funktionsweise der automatischen Sensorreinigung sind bei allen Kameras sehr ähnlich: Der vor dem Sensor liegende Tiefpassfilter wirkt antistatisch, um so Staubanziehung zu minimieren. Zudem kann bei Kameras mit automatischer Sensorreinigung auch eingestellt werden, dass nach jedem Ein- oder Ausschalten eine Sensorselbstreinigung durchgeführt wird. Dabei entfernen Vibrationen eventuell vorhandene Staubrückstände. Wenn Dir das zu viel des Guten ist, kannst Du die automatische Sensorreinigung aber auch abschalten und manuell auslösen, wenn Du es für nötig hältst.
Den verschmutzten Sensor reinigen
Vorbereitungen
Lege in Deine Kamera einen voll aufgeladenen Akku ein. Wähle dann die Reinigungsfunktion im Menü Deiner Kamera aus. Dadurch wird der Spiegel hochgelappt und der Sensor deaktiviert. Alternativ kannst Du die Kamera auch auf “M” und die Belichtungszeit auf “Bulb” stellen. Bei dieser Methode musst Du den Auslöser während der gesamten Reinigung gedrückt halten. Letztere Vorgehensweise ist deshalb nicht zu empfehlen!
Sensor abblasen
Die meisten Kamerahersteller empfehlen in der Anleitung zu ihrer Spiegelreflexkamera, wenn nötig den Sensor mit einem Blasebalg* abzublasen. Wenn mein Sensor verschmutzt ist, gehe ich ebenfalls mit einem Blasebalg ans Werk. Mit dem Blasebalg darfst Du aber natürlich nicht zu tief in die Kamera eindringen und keinesfalls den Sensor oder Verschluss berühren! Lockerer Schmutz kann mit dem Blasebalg relativ einfach entfernt werden. Haftet der Staub hingegen am Sensor fest, hilft der Blasebalg meist nicht mehr weiter.
Trockenreinigung
War das abpusten mit dem Blasebalg ohne Erfolg, könntest Du den Verschmutzungen mit einer Trockenreinigung zu Leibe rücken. Die Firma Visible Dust bietet mit ihrem Sensor Brush* einen speziellen Pinsel an, der mit Druckluft gesäubert und gleichzeitig statisch aufgeladen und dann leicht über den Sensor bewegt wird. Durch die statische Aufladung soll der Sensor Brush wohl sehr gründlich Staub aufnehmen.
Nassreinigung
Nach der Trockenreinigung sollte loser Staub, hartnäckiger oder auch festsitzender Dreck in fast allen Fällen vom Sensor verschwunden sein. Sollte bei Dir aber nach wie vor Schmutz auf dem Sensor befinden, hilft nur noch eine gründliche Nassreinigung. Bei der Nassreinigung wird der Sensor mit einem mit Reinigungsflüssigkeit getränkten weichen Tuch gereinigt, das normalerweise um eine passende Kunststoffspachtel gewickelt wird. Das Produkt zur Nassreinigung trägt den Namen Sensor- Swab*. Als Reinigungsflüssigkeit wird meist Eclipse oder hochreiner Methylalkohol verwendet, die rückstandsfrei verdunsten. Methylalkohol ist allerdings schon bei Hautkontakt und ebenso beim Einatmen stark giftig und leicht entflammbar.
Fazit
Sensoren sind sehr teuer und empfindlich. Deshalb brauchst Du für eine gründliche Sensorreinigung vor allem eine ruhige Hand und gute Nerven. Wenn Du nichts riskieren möchtest, solltest Du die Reinigung durch ein Fachgeschäft durchführen lassen.
Hinsweis:
Die Sensorreinigung beruht auf eigener Verantwortung. Für etwaige Schäden bin ich nicht haftbar.
*Dies ist ein Affiliate- Link. Wenn Du darüber etwas bestellt, erhalte ich eine kleine Provision von Amazon. Du bezahlt dafür aber keinen Cent mehr.
Julia Stern


Ein umfangreicher Artikel, wobei mir der Hinweis fehlt, das bei Unsicherheit (kann ich das wirklich?) SOFORT inne gehalten und zum nächsten Service gegangen werden sollte.
Ist man erstmal bei der Reinigung und eher zögerlich dabei, geschehen eher Fehler, die u.U. auch durch eine Fachwerkstatt nicht ungeschehen gemacht werden können. Stichwort: beschichtete Sensoren und die falsche Reinigungsflüssigkeit :-/
Achja, die Erwähnung mit dem BULB-Modus finde ich doch sehr grenzwertig. Kurz vom Auslöser abgerutscht und der Spiegel schlägt vor den Reinigungspinsel etc. Gar nicht gut. Wenn die Kamera keinen Service-Mode hat, sollte man auch selber nicht rangehen.
Das Ding zum Sensor feucht abwischen heißt “sensor swab” mit
weichem b, das ist einfach ein Wischinstrument, während “sensor swap” ein Sensortausch wäre, und den will man ja gerade nicht durchs Reinigen erzwingen ;).
Hallo Ralph,
vielen Dank für den Hinweis!
Liebe Grüße
Julia
Interessanter Artikel zu einem Thema, an dem sich die Geister scheiden.
Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass sofern nicht das gesamte Gehäuse nachhaltig gereinigt wurde, der Staub recht schnell auf den Sensor wiederkehrt.
Beim “Abblasen” des Sensors kann der Staub unter Umständen in die Tiefen der Kamera “gepustet” werden, wo er ohne diese Technik vermutlich nicht hingelangt wäre. Dann hat man nach der Reinigung zwar keinen Schmutz mehr auf dem Sensor, dafür macht er sich z.B. im Sucher bemerkbar.
Ich hab einen Blasebalg. wenn das nix bringt, dann kommt die Kamera ins Fachgeschäft ;).
:-) Wie schön was die Digitalisten wieder für Probleme haben, bei meiner “135-Megapixel” (hehe) Kamera mit Film hab ich keinen Sensor der verdrecken kann…
Toller Hinweis, besten dank für den schönen Artikel!
Vielen Dank für diesen informativen Beitrag zum Thema Sensor-Reinigung bei Digitalkameras. Vor allen Dingen das Thema Nass-Reinigung hat mich interessiert, da ich hartnäckige Wasserflecken auf meinem Sensor hatte die von Regentropfen verursacht waren.
Ab wann ein Sensor als “verschmutzt” zu bezeichnen ist, scheiden sich ja auch schon die Geister. Solange man es auf dem ersten und zweiten Blick nicht sieht, sollte man die Kuh auch im Dorf lassen.
Im übrigen bieten viele Fotostudios auch einen Reinigungsservice zum Pauschalpreis an – das ist vielleicht manchmal der bessere Weg wenn Automatik und Blasebalg nicht mehr weiterhelfen, bevor man sich an eine Nass oder Trockenreinigung wagt.
Ein sehr ausführliches Tutorial.
Allerdings muss ich sagen, das der Tipp mit dem Blasebalk eher kontraproduktiv ist. Damit blase ich den Staub vielleicht von einem Sensor weg aber wo verfängt sich der Dreck dann? Und dann ist es nur eine Frage der Zeit bis der Schmutz oder Staub wieder auf dem Sensor klebt. Besser wäre es den Staub abzusaugen. Dafür gibt es auch geeignete Hilfmittel im Fachhandel. Eine Nassreinigung sollte man in jedem Fall dem Profi überlassen. Fehler können im Verhältnis zu den heutigen Kamerapreisen, sehr schnell, richtig teuer werden.
Ich möchte hier auch nochmal nachlegen und äußerste Vorsicht walten zu lassen. Ich selbst habe meinen Sensor schon zig male feucht gereinigt und habe darin eigentlich schon einiges an Routine entwickelt. Vielleicht sogar zuviel Routine. Denn am Montag kam es dazu, daß ich im Nikon Menu einmal zu wenig OK geklickt habe und den Auslöser zum Spiegel hochklappen zu früh gedrückt habe. Der Spiegel und Verschluss gingen hoch und ich fing an zu reinigen. Nur habe ich eben zu früh im Menu gedrückt und der Verschluss blieb nur 8s offen, was ich zuvor manuell verwendet hatte.
Resultat war ein verklemmtes Sensorswab am Verschluss und ein verbogener Verschluss. -> Verschluss wechseln bei Nikon Service -> ca. 200 €
Aus Fehlern lernt man.