Dies ist ein Gastartikel von Calle Hackenberg. Er fotografiert seit nunmehr 2 ½ Jahren. Momentan ist er noch Schüler am Gymnasium in Plön, möchte aber eine Ausbildung zum Fotografen machen. Am liebsten fotografiert Calle Menschen und Landschaften. Des Weiteren arbeitet er seit wenigen Wochen an seinem Blog www.addicted2photos.com , dessen Ziel es ist digitale Fotografie und Bildbearbeitung besser zu verstehen und selbst auch umsetzen zu können.
Das kleine 1×1 der Panoramafotografie
Häufig genug steht man in der Landschaftsfotografie vor einer mittelschweren (teils sogar bis zu einer sehr schweren) Krise, dass man das was man gerade vor sich sieht nicht einfangen kann. Oft ist das Problem, dass man nicht “alles raufbekommt”. Da hilft es manchmal auch nicht ein 10-20mm Objektiv zu haben, oder gar ein Fisheye, dass ja sowieso die Landschaft ganz anders wirken lässt. Was man aber machen kann, um alles “raufzubekommen” ist ein Panorama.
Panoramen sind nichts anderes, als mehrere Aufnahmen zusammengeklebt. Ja, so kann man das sagen. Hierbei entstehen in der Regel sehr große Bilder mit einem hohen Detailgrad, der es meist schafft die Atmosphäre einer Landschaft dem Betrachter nahe zu bringen.
Leider ist diese Technik nicht gerade einfach zu meistern. Deshalb möchte ich versuchen Dir mit einigen kleinen Tipps die wichtigsten Sachen beizubringen.
Was brauchen wir denn alles?
Prinzipiell nur zwei Dinge, eine Kamera (welch ein Wunder) und ein Stativ. Das Stativ ist hierbei ebenso wichtig wie die Kamera selbst. Optional aber durchaus hilfreich sind Funk- oder Kabelauslöser und eine Wasserwaage zum Einschub in den Blitzschuh und vielleicht noch einen Rucksack, um den ganzen Krempel zu transportieren.
Tipp Nr. 1 – Mhh welcher Modi? M natürlich!

Enorm wichtig für ein Panorama sind die stetig gleichen Einstellungen. Ansonsten kommt es schnell vor, dass die eine Seite des wundervollen Strandes welchen Du gerade Aufnehmen möchtest völlig “absäuft” (unterbelichtet ist) oder eben überbelichtet ist. Glaub mir, es gibt wenige schlimmere Sachen in Photoshop zu korrigieren als ein Panorama, in dem jedes Teilbild völlig verschieden ist, was die Helligkeit angeht. Es ist manchmal sogar unmöglich.
Befestige Deine Kamera im Idealfall erst auf einem Stativ, gehe dann in den Zeitautomatik Modus und wähle eine Blende, die eine gute (Tiefen-)Schärfe ins Bild bringt. Drücke anschließend den Auslöser halb herunter und merke oder notiere Dir die Einstellungen. Wechsle dann in den manuellen Modus (M) und gebe dort anschließend die zuvor gemessenen Werte ein.
Tipp Nr. 2 – Und dann? Naja AF wäre schon etwas doof…
Der Autofokus ist einer der beliebtesten Fehler bei Panoramen. Er führt dazu, dass jedes einzelne Teilbild total anders fokussiert ist und somit jedes Teilbild seine Akzente vollkommen anders setzt. Im Extremfall ist dann etwa die Sanddüne direkt vor Dir scharf, im nächsten Teilbild hingegen das Containerschiff 50km in See und die Düne ein Matschhaufen. Dies kann vermieden werden indem man durch leichtes herunter drücken des Auslöser vorfokussiert und den Fokus dann auf MF (Manueller Fokus) umstellt. Anschließend verändert man nichts mehr am Fokus. Dadurch ist das erste Bild des Panoramas auf einen bestimmten Punkt scharf gestellt und das gesamte Panorama hat genau denselben Schärfeverlauf.
Alternativ kann man natürlich auch von Anfang an mit dem manuellen Fokus arbeiten – allerdings stellt man hier auch nur einmal scharf und belässt dann diese Einstellung für das gesamte Panorama und dreht nicht wie wild an der Schraube herum.
Tipp Nr. 3 – Ich habe keinen Funkauslöser und alles ist verschwommen… Das muss aber nicht sein!

Ein kleiner aber knackiger Trick ist es (sofern man keinen Kabel- oder Funkauslöser besitzt) den Selbstauslöser zu benutzen. Kling im ersten Moment etwas merkwürdig, macht aber Sinn. Der Hauptgrund warum die meisten Bilder verwackeln ist, dass man entweder gar kein Stativ benutzt hat, was gerade bei längeren Verschlusszeiten fatal ist oder das man einfach die Hand an der Kamera hatte. Leider Gottes sind wir Menschen so geschaffen, dass durch unseren Körper Blut fließt. Es pulsiert also in uns, wodurch wir dementsprechend beim Anfassen der Kamera auch einen stetigen Bewegungsimpuls auf die Kamera übertragen. Kommt nun auch noch Kälte hinzu und das allseits beliebte Zittern, so führt dies häufig zu verwackelten oder verwischten Bildern (bei längeren Verschlusszeiten). Ein simples aber ebenso effektives Gegenmittel ist der Selbstauslöser – einfach auf 10 Sekunden stellen, drauf drücken, zurück gehen und abwarten. Erreicht hast Du ein wackelfreies Bild – vorausgesetzt Du fotografierst nicht bei Windstärke 10 oder mehr.
Tipp Nr. 4 – Alle guten Dinge sind 3. Nein Tipp 4 ist wichtiger!
Fotografiere einfach im Hochformat. Ja, Du hast richtig gehört. Der Grund dafür ist so simpel wie einleuchtend. Das Hochformat verhindert etwas die Verzerrungen, die durch das Objektiv am Rand entstehen und die Vignettierung, die an den äußeren Ecken auftritt.
Durch das Hochformat kannst Du später einfach die unschönen Unter- und Oberhälften des Bildes, in der die Verzerrungen und Vignettierungen auftreten abschneiden, ohne einen wichtigen Teil des Bildes zu verlieren. Der Nachteil hierbei ist, dass Du mehr Bilder brauchst – ansonsten ist das Hochformat einfach spitze!
Tipp Nr. 5 – Irgendwie sind die Bilder farblich total verschieden… Wird wohl am Weißabgleich liegen!

Der Weißabgleich darf bei Panoramen niemals auf “Auto” stehen, da ansonsten die Kamera jedes Bild mit einem anderen Kelvinwert ausstattet. Stelle den Weißabgleich einfach auf Wolken oder ähnliches, einen konstanten Modi eben, der die Werte nicht anpasst.
Mein Favorit hierbei ist die Kombination aus Wolken im Weißabgleich und RAW. Dadurch habe ich alle Bilder in einem einheitlichen Farbton und kann sie alle auf einen Schlag im Raw- Konverter meines Vertrauens so anpassen wie sie mir gefallen.
Tipp Nr. 6 – Wie viel darf denn überlappen? Etwa ¼.
Ja, Du hast es geschafft, Du bist am Ende angelangt. Um eine Frage noch kurz zu beantworten – die meisten Programme können Deine Bilder am besten zusammensetzten, wenn sie etwa ¼ bzw. 25% überlappen. Versuche diesen Wert etwa einzuhalten, damit Dein Programm Dir die besten Ergebnisse ausspuckt.
Achso, die erwähnte Wasserwaage ist natürlich dazu da um den Horizont immer schön gerade auszurichten, damit das Bild nicht abfallend zu einer Seite wirkt.
Calle Hackenberg


Toller Beitrag, leicht verständlich und gut lesbar geschrieben und hmm… jetzt hab ich Lust, ein Panorama zu machen ;).
Freut mich, dass er dir gefällt. Danke nochmals an Julia für die Möglichkeit den Artikel hier zu veröffentlichen.
Wow, Danke für den Beitrag. Das muss ich auch mal testen, mal sehen was dabei rauskommt. :)
[...] Drüben bei Fotoholiker.com gibt es eine nette Anleitung wie Panoramafotos am besten gelingen. Auch wenn die Tipps für mich nicht ganz neu waren habe ich beschlossen sie in Zukunft wohl ein wenig zu beherzigen, denn bisher habe ich Panoramabilder immer treu nach meinem Motto “Locker aus der Hüfte” geschossen. [...]
Super Beitrag! Gute Tipps und super geschrieben!
Hi,
wollte nur anmerken dass ich 95 % meiner Panoramabilder aus der Hand mache. Ab und an gibt es Probleme beim stichen, aber es ist deutlich bequemer und funktioniert eigentlich genauso.
Super Beitrag!!!
Danke für die wertvollen Tipps!!
Heike
Ich freu’ mich schon auf das Große 1×1…
… mit X- Pan, Technorama und Co.
Finde seinen Blog übrigens sehr gut/ interessant, auch wenn er noch sehr frisch im Web ist.
Grüße
Hier noch ein paar interessante Links, aber zur Gigapixel Panorama Fotografie:
http://www.yosemite-17-gigapixels.com/
http://www.roumestan-photo.com/PC/Photos/index.php?path=../../Portfolio/HauteResolution/Megeve15g/
http://www.harlem-13-gigapixels.com/
Tschuldige, aber MODUS ist der Singular von MODI.
Und ja, recht gut beschrieben, allerdings geht das ganze nicht gerade sehr tief. Was ich damit meine ist, dass wenn man, so wie ich, schon 3-4 Monate mit einer Kamera herumläuft, ist, was du hier bringst eigentlich klar. Das meißte ist mit Hirn einschalten schon getan.
Trotzdem für Anfänger sicherlich ein guter Artikel, weiter so!
Super Erklärung für Einsteiger und Leute die nur ab und zu ein Panorama machen. z.B.: Wenn die Landschaft nicht ganz auf ein Bild passt. Die Überlappung der Bilder sollte lieber zu viel als zu wenig sein. 30% dürfen es schon sein.
Wer tiefer einsteigen will, dem kann ich die Seite von
Jan Röpenack empfehlen. Da steht alles zum Thema: Beispiele, Software, Geräte, Tipps.
http://www.pixelrama.de
Toller Beitrag, allerdings wirklich nur für Anfänger. Das Ganze krazt nur an der Oberfläche. Ich mache ALLE Panos (bei ausreichendem Licht und entsprechend kurzen Belichtungszeiten) freihändig und im Hochformat. Hochformat aber nicht wegen der eventuellen Verzerrungen oder Vignettierungen (kommt halt auf das Glas an …), sondern ich erhalte durch das Hochformat soviel ins Bild, dass ein einreihiges Pano meist eben ausreicht.
Für Neueinsteiger aber ein tolles Tutorial.
Gruss
wolfo
Ich zitiere:
” Ein kleiner aber knackiger Trick ist es (sofern man keinen Kabel- oder Funkauslöser besitzt) den Selbstauslöser zu benutzen. Kling im ersten Moment etwas merkwürdig, macht aber Sinn.”
Das macht absolut keinen Sinn, jedenfall erkenne ich keinen!
Schon einmal daran gedacht wenn man Landschaft mit Wolken fotografiert.
Was glaubst Du wo die Wolken nach 10 Sekunden mit Selbstauslöser sind … eben woanders.
Beim späteren stichen, hast Du dann perfekte Geisterwolken.
Gruß Klaus
Hallo,
ein echt netter Beitrag, der einem die Grundformen der Panoramafotografie gut vermittelt.
Ergänzend könntest du noch die Arbeit mit einem Nodalpunktadapter (den man auch recht leicht selbst bauen kann, Anleitungen dazu gibt es genug im Netz) beschreiben, die aber einer gewissen Qualität der Aufnahme doch stttfinden sollte.
Der Sinn mit dem Selbstauslöser macht natürlich sind, da gerade bei längeren Belichtungszeiten keine Verwacklungsunschärfe ins Bild kommt und es soll auch Selbstauslöser mit zwei anstatt zehn oder 12 Sekunden geben…
Meiner Meinung nach macht ein Stativ immer Sinn. Ich glaube nicht das Ansel Adames seine Panos frei Hand gemacht hat ;-)
Aber jedem das seine.
@mylk :
Wie wäre es mit konstruktiven Ansätzen? Auf was soll er den “tiefer” eingehen?
Ich finde da fehlt nicht mehr viel. Der Rest wird irgendwann Kamera- bzw. Situationsabhängig.
“Meißtens” wird auch nach der Rechtschreibreform noch mit einem normalen s geschrieben ;-)
Nichts für Ungut.
Gruß,
Chris
Eieiei, jetzt halte ich anderen ihre Rechtschreibfehler vor und hau selbst voll rein… =).
Gruß,