Kaum ein aktuelles fotografisches Lehrbuch oder ein Fotomagazin befasst sich damit und wenn, dann wird das Thema nur angerissen. Die Rede ist vom Bokeh, den schönen, begehrten Unschärfe- und Zerstreuungskreisen, die durch den Fotografen selbst so gut wie nicht beeinflussbar sind. Dieser Artikel basiert auf dem Artikel “Bokeh” aus der freien Enzyklopädie Wikipedia, die diesem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet hat.
Was ist das Bokeh?

Unter dem Begriff “Bokeh” (von japanisch boke “unscharf, verschwommen“) versteht man in der Fotografie die subjektive, ästhetische Qualität von unscharfen Bereichen auf einem Foto, die von einem Objektiv projiziert werden. Dabei geht es bei einem Bokeh nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen.
Wie entsteht das Bokeh?

Grafik: Thomas Steiner
Um Unschärfekreise zu erzielen, musst Du den Autofokus aktivieren und eine relativ große Blende (kleine Blendenzahl) wählen. Sobald dann das Glitzern (beispielsweise von Reflektionen) im Sucher oder auf dem Display (LiveView- Modus) zu sehen ist, musst Du den Fokusring des Objektivs drehen, bis aus den kleinen Lichtpunkten mehr oder weniger große Lichtkreise geworden sind. Solche Unschärfekreise entstehen aber nicht nur durch Reflexionen von spiegelnden Flächen, sondern auch durch- vereinfacht ausgedrückt- helle Bildpunkte in dunklen Bereichen. Da sie sich außerhalb der Schärfenzone befinden, werden solche Lichtpunkte als sogenannte Unschärfekreise abgebildet, die tatsächlich nicht unbedingt Kreise, sondern Abbilder der Blendenöffnung sind. Eine Irisblende aus sechs Lamellen erzeugt also sechseckige Unschärfekreise. Je kleiner ein Lichtpunkt ist, desto schärfer ist die Kontur, und je weiter er von der Schärfenebene entfernt ist, desto größer, aber auch blasser erscheint die Scheibe, die er erzeugt.
Gutes und schlechtes Bokeh
Gutes Bokeh:

Die Unschärfe bei einem guten Bokeh verläuft weich und gleichmäßig. An den Rändern im Unschärfebereich zeigen sich keine Farbsäume, Linien erscheinen nicht verdoppelt, Spitzlichter sind rund ohne scharf abgegrenzte Ränder.
Neutrales Bokeh:

Die Unschärfe bei einem neutralen Bokeh verläuft ebenfalls weich und gleichmäßig, allerdings zeigen sich gelegentlich kleine Farbsäume in den Bildecken des Unschärfebereichs. Linien erscheinen nicht verdoppelt, Spitzlichter erscheinen leicht polygonal, aber noch ohne allzu scharf abgegrenzte Ränder.
Schlechtes Bokeh:

Allgemein wirkt der Unschärfebereich bei einem schlechten Bokeh sehr unruhig. Kanten im Hintergrund erscheinen verdoppelt und werden stark genug sichtbar, um den Bildeindruck zu stören. Kontrastreiche Bereiche im Hintergrund weisen Farbsäume auf, die oftmals violett sind. Gegen die Bildecken nehmen die Farbverschiebungen zu. Spitzlichter haben eine polygonale Form mit stark abgegrenzten Kanten.
Welche Objektive produzieren ein gutes Bokeh?
Mal von einem wirklich schlechtem Bokeh abgesehen, ist es auch immer eine Geschmacksache, ob einem ein Bokeh gefällt oder nicht.
Die Eigenschaften, welche ein Objektiv dazu veranlassen, ein angenehmes Bokeh zu produzieren, konnten bisher leider noch nicht eindeutig festgelegt werden. Ein Einflussfaktor in Bezug auf das Bokeh könnte die Anzahl oder Form der Blendenlammelen sein. Einige Hersteller statten die Irisblenden der Objektive mittlerweile mit mindestens sieben, häufig auch bis zu neun oder zehn Blendenlamellen aus. Dadurch kommt die Pupille bei allen Blendeneinstellungen der Kreisform möglichst nahe.
Tendenziell lässt sich sagen, dass Objektive, deren sphärische Aberration nicht maximal auskorrigiert ist, ein gutes Bokeh aufweisen. Dies sind vor allem auch Objektive älterer Bauart.
Leider sind Objektive nicht automatisch so entwickelt, dass sie ein schönes Bokeh abbilden. Im Gegenteil: Technisch einwandfreie Objektive bilden sogar den unscharfen Hintergrund als Kreise mit scharfen Kanten ab. Sie erzielen also genau das, was man bei einem unscharfen Hintergrund ganz und gar nicht möchte. Bei einem guten Bokeh sollten die scharfen Kanten weichgezeichnet sein. Außerdem hätten technisch perfekte Linsen keine sphärische Aberration.
Bei einer Sphärische Aberration sind die Kreise im Unschärfebereich nicht gleichmäßig beleuchtet. Entweder bündeln die Objektive das Licht im Zentrum des Unschärfekreises oder sie beleuchten die Ränder zu stark.

Fotografie: Alexander Boden
Ein besonders auffälliges Bokeh produzieren Spiegellinsenobjektive. Aufgrund des Fangspiegels an der Vorderseite werden unscharfe Punkte nicht als Scheibchen, sondern als Ring abgebildet. Deshalb werden mit diesem Objektiv Vorder- und Hintergrund häufig unangenehm unruhig wiedergegeben; lange schmale Objekte erscheinen dadurch häufig mit einer Doppelkontur. Sofern man diese Zerstreuungskreise nicht vorteilhaft in die Gestaltung einbeziehen kann, verwendet man Spiegellinsenobjektive deshalb auch überwiegend für Aufnahmen weit entfernter Motive (ohne sichtbaren Vordergrund) oder mit möglichst gleichmäßigem Hintergrund (beispielsweißese für Makroaufnahmen).
Die Einstellungen für ein Foto mit Zerstreuungskreisen
Die Blende
Um ein tolles Bokeh zu erzielen, musst Du die Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl).
Fokussieren
Fokussiere dann auf das wichtige Element der Bildkomposition. Der Hintergrund um das Hauptmotiv wird dadurch später mit Zerstreuungskreisen unscharf erscheinen.
Auslösen
Nachdem Du den Bildausschnitt sowie den Fokus festgelegt hast, musst Du deine Kamera nur noch auslösen.
Julia Stern


Super Artikel, vielen Dank!
Ab 17:00 heute gibt es was für Dich bei mir:-).
Ein super Artikel, ich stand nämlich auch da und dachte hmm was ist das denn, alle schwärmten von einem tollen Bokeh :-). Prima zusammengestellt und erklärt.
Sehr schöner Artikel.
Um es auf den Punkt zu bringen: Objektive im asphärischen Linsen haben in der Regel ein schlechteres Bokeh als solche ohne asphärische Linsen. Da aber insbesondere bei Zoomobjektiven oder hochgeöffneten Festbrennweiten immer mehr Linsen mit asphärischen Oberflächen verkauft werden, kann man sagen, dass das bokeh umso besser ist, je weniger asphärische Flächen in der Optik sind.
Ausnahmen bestätigen die Regel ;-).
[...] Dieses mal mit vielen Fotos, die durch tolle Bokehs glänzen. Passend zum kürzlichen Artikel “Das Bokeh: Die Schönheit der Unschärfe“. [...]
Vielen Dank für die tolle Erklärung!!! Jetzt verstehe ich auch mal, von was da immer geredet wird ;-).
LG Heike
Hey Julia,
guter Artikel der das Thema schön zusammenfasst, ich möchte aber doch noch was hinzufügen. :-)
Wie in der Fotografie üblich kannst du nicht nur mit einem Faktor ein bestimmtes Ergebnis erzielen. Was ich sagen will: Eine große Blende hilft, ein schönes Bokeh zu erhalten, wenn du aber noch mehr Unschärfe rauskitzeln willst, dann solltest du eine möglichst lange Brennweite wählen und (das erzielt den größten Effekt) so nah rangehen wie möglich. Wenn es geht bis zur minimalen Distanz an das Objekt rangehen, bei der das Objektiv noch ordentlich scharfstellen kann.
LG Mayk
Ups, sehe grade, dass du das schon in einem anderen Artikel behandelt hast… :-D
Ich hab nix gesagt. :-D