BildklischeeManche Orte sind so berühmt und ziehen jeden an. Von solchen Orten machen buchstäblich tausende Fotografen Bilder. So viele, dass man bei jedem neuem Bild davon denkt: “Nein, nicht schon wieder eins.” Das Selbe gilt auch für andere Motive. Ist es überhaupt möglich, ein Thema zu finden, das fotografisch noch nicht umgesetzt wurde? Ist es denn wirklich so schlimm, wenn man feststellt, dass das Selbe Motiv schon andere fotografiert haben?


Was versteht man unter dem Begriff “Klischee”?

Bildklischees sind solche Bilder, die bereits x- fach in selber oder zum Verwechseln ähnlicher Version existieren. Der Begriff “totfotografiert” kommt aus der Wettbewerbsfotografie und wurde von Juroren geprägt, die regelmäßig dutzende von eingereichten Bildern begutachten und beurteilen müssen. Wenn beispielsweise unter zweihundert eingereichten Bildern auch nur vierzig durschnittlich fotografierte Sonnenuntergänge oder Fotos auf denen Wassertropfen auf Gras zu sehen sind, wird es für die Juroren schnell langweilig. Juroren wollen Bilder sehen, die anders sind, neue Sichtweisen vermitteln oder neue Bildmotive zeigen, die noch nicht so oft fotografiert worden sind.


Es wurde schon einmal fotografiert

Du denkst, Du bist kreativ, aber jedes Mal, wenn Dir eine Motividee einfällt, stellst Du fest, dass jemand anderes schneller war. Aber ist es denn eigentlich noch möglich, ein Fotomotiv zu finden, dass noch unverbraucht ist und noch nicht so häufig fotografiert wurde? Versteckst Du etwa Deine Bilder, auf denen Bildklischees zu sehen sind? Ist es denn wirklich so schlimm, wenn Du feststellst, dass das Selbe Fotomotiv schon vor Dir jemand fotografiert hat? Nur weil Motivideen schon umgesetzt oder zu Tode fotografiert wurden, heißt das noch lange nicht, dass man sie einfach deshalb nicht fotografieren soll. Dann müsste man ja die Themenbereiche Porträts, Natur, Tiere und eigentlich alle anderen Themen abhaken. Da blieben dann wohl nur noch die Außerirdischen oder Ufos übrig- natürlich vorausgesetzt, dass sie uns einmal besuchen.


Also schauen wir uns das Problem einmal genauer an. Wie wäre es mit einem Haustierporträt und Lowkey- Belichtung? Ach so, tut mir leid- das gibt es doch auch schon. Heißt das aber, dass man nie mehr Tiere mit Lowkey- Belichtung fotografieren darf? Das Problem der Bildklischees liegt eigentlich wo ganz anders. Auch wenn das ein und das selbe Motiv schon zu Tode fotografiert wurde, wenn sie eine Reaktion in uns auslösen, ist doch eigentlich das erreicht, was jeder Fotograf mit einem Foto erreichen möchte? Dann ist es doch auch ganz egal, ob weitere ähnliche Fotos von anderen Fotografen existieren.


Meiner Meinung nach ist es nicht ausreichend, wenn man über ein Foto nur sagen kann, dass das dort abgebildete Motiv neu- und noch nicht zu Tode fotografiert ist. Und mal ganz ehrlich: Die Gefahr, dass Dein Bild mit dem eines anderen Fotografen absolut identisch ist, ist doch sehr gering. Es mag zwar das Selbe Motiv darauf abgebildet sein, doch auch das unterscheidet sich meist in einem oder mehreren Punkten. Dabei kommen die eigenen Persönlichkeit, Vorlieben und Abneigungen sowie Erfahrung mit ins Spiel, die ein Foto beeinflussen. Damit ist ein abweichendes Foto trotz dem selben Motiv eigentlich garantiert.


Ok, ein totfotografiertes Motiv sollte man bei einem Fotowettbewerb eher nicht einreichen. Wenn sich dieses aber zumindest in einem Punkt unterscheiden, kann das Motiv auch gerade wegen der originellen Umsetzung vielleicht überzeugen.


Beispiel

Erstes Foto ist von mir, zweites von Martin Gommel. Die Fotos zeigen das Selbe Motiv- Wassertropfen auf Gras. Die Fotos ähneln sich durch das Motiv zwar, unterscheiden sich aber dennoch.


Gras

Fotografie:
Julia Stern


Wassertropfen auf Gras


Fotografie:
Martin Gommel


3 Gründe, weshalb Du doch Bildklischees fotografieren solltest

Herausforderung

Generell ist es eine Herausforderung, ein gutes Foto zu machen, ganz egal, ob jemand das Motiv schon vor Dir abgelichtet hat. Nehme das Fotografieren von Bildklischees doch einfach als eine Herausforderung an! Ein Bildklischee zu toppen ist nämlich die höchste Schule!


Neue Sichtweisen entwickeln

Dir sind die meisten Bildklischees bekannt? Also kannst Du üben, ein Motiv auf eine andere Weise zu sehen und zu fotografieren.


Bildklischees sind gesucht

Mit einem Bildklischee wirst Du kaum einen Fotowettbewerb gewinnen. Allerdings sind Bildklischees gerade im Bereich der Stockfotografie beliebt. Weshalb sollte man mit diesen Motiven also nicht leichtes Geld verdienen?


Wie steht es bei Dir mit der Klischee- Fotografie? Vermeidest Du das Fotografieren von Klischeebildern oder setzt Du auch mal so das ein oder andere Klischeemotiv um?


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Fotowettbewerb

12 Kommentare

DirkNo Gravatar

Für Agenturfotos müssen öfter Klischeemotive umgesetzt werden. Auch wenn man immer wieder versucht seine eigene Sichtweise in dem Motiv zu verarbeiten.

PaleicaNo Gravatar

Ich hab mir diese Fragen auch schon ein paar mal gestellt. Allerdings muss ich sagen, dass ich für mich zu dem Schluss gekommen bin, genau solche Motive einmal selber fotografieren zu wollen. So, dass sie mir gefallen und meine eigenen Fotos sind.

MarcelNo Gravatar

Da ich zum Großteil in Dresden fotografiere, kommen mir oft Motive vor die Linse, die schon tausende Male fotografiert wurden. Ein Beispiel ist die Dresdner Semperoper oder das ganze Elbpanorama an sich. Trotzdem reizt es mich immer wieder, diese Dinge zu fotografieren, weil es doch immer wieder etwas anders aussieht. Und oft fotografiere ich Gebäude in ganz anderen Sichtweisen bzw. Perspektiven welche es so noch nicht allzu oft gibt.

AndreasNo Gravatar

Vielleicht müssen wir uns damit abfinden, das alles schon irgendwie, irgendwo von irgendjemandem fotografiert wurde Smile ?!? Gerade jetzt wo uns die digitale Welt mit Millionen von neuen Fotos (pro Tag!) “verwöhnen”.

Es bleibt wohl nur der Versuch alles aus einer anderen “Perspektive” zu sehen oder einfach mal mit Gelassenheit zu sagen: “Na und, dann gibt es das halt schon so, das hier ist aber meins Smile”.

Gruß
Andreas

LuizaNo Gravatar

Ein sehr schöner Vergleich der Bilder. So kann man sehen, dass die Bilder, auch wenn sie das gleiche Motiv haben, keineswegs gleich sind. Die Kunst und die Darstellung liegt ja nun mal im Auge des Künstlers, nicht des Betrachters. Der Betrachter kann ja immer noch be-/ verurteilen und selbst bestimmen, ob es zwei (oder mehrere) Bilder sind…

Viele Grüsse!

Luiza

DetlevNo Gravatar

Solange ich die Bilder für mich selbst benutze sind “todfotografierte Bilder” nicht schlimm. In der Wettbewerbsfotografie fliegen sie aber meist raus. Wenn ein Juror bei einem Wettbewerb den 280ten Pelikan aus dem Zoo gesehen hat, dann reicht es ihm. Auch wenn danach gleich 180 Masken aus Venedig kommen… Übrigens: Auch diese gezeigten Gräser mit Wasser sind ein “todfotografiertes Motiv”. Bei einem Naturfotowettbewerb in Wien, mit etwa 3800 Fotos, kommt dieses Motiv auch etwa 300 x. Zwei oder drei solcher Fotos sind aber dann trotzdem immer unter den mittleren Plätzen.

ChrisNo Gravatar

Also Bildklischees selber zu knipsen finde ich weder schlimm, noch sonst irgendwas Wink.
Manchmal ist es schon eine Herausforderung ein Klischee genauso wie die anderen umzusetzen, nur eben mit völlig anderen Mitteln.

Der Fotograf wächst an seinen Aufgaben Smile.
Und wenn mir gerade nichts Neues einfällt, dann übe ich mich eben an den Ideen anderer, tüftle hier und dort ein bisschen herum, bis ich eben zu einem Ergebnis gelange, das mit selbst gefällt Smile.

Eine vielleicht etwas andere Sichtweise:
Wenn ich mich dem Thema Klischees total verschließe, dann überlege ich doch nur noch: “was kann ich knipsen, was nicht schon ein anderer ähnlich umgesetzt hat”
und verliere damit den Blick fürs wesentliche, nämlich dem Motiv Wink.

derfototimNo Gravatar

Das Problem als solches ergibt sich ja auch nicht für Fotografen. Auch Maler, Dichter, Musiker können man mehr, mal weniger darunter “leiden”, dass die besten Ideen leider schon oftmals “verbraucht” sind. Wie viele Gedichte gibt es, die einen Sonnenuntergang beschreiben? Und wie viele Songs, die sich mit Tod oder Trennung befassen?

Aber auch diese Songs oder diese Gedichte können jeder für sich gut oder schlecht sein. Von daher ist der Aufruf, dem zu trotzden, durchaus berechtigt. Pro Klischeebilder Wink

WolfgangNo Gravatar

Also meine Meinung dazu ist:
Ja natürlich gibt es Motive die schon x fach abfotografiert sind, nur bei welcher Perspektive oder bei welchem Licht?
Ich für mich fotografiere zum Spaß und um mich an schönen Bildern zu erfreuen. Wenn dann diese auch noch reichen um im Fotoclub vorgestellt zu werden, dann sei es so.
Fotografieren soll Spaß machen und nicht immer dem Wettbewerbsgedanken folgen.

Grüße
Wolfgang

CarstenNo Gravatar

Klar sollte man nicht immer dem Wettbewerbsgedanken folgen, aber der macht doch auch Spaß!
Bloß da ist es so, dass es drauf ankommt, wer in der Juri ist, deshalb sind schlecht bewertet (in Grenzen) Fotos nicht unbedingt schlechte Fotos.
wichtig ist, wie Julia schon sagte:
- wenn Klischees, dann anders, andere Sichtweisen, andere Bearbeitung
ein gutes Bild ist ein Bild, das man länger als 1 s betrachtet!
Also: Pro Klischee, aber anders.

VG Carsten

KaeferchenNo Gravatar

Wenn ich irgendwohin in den Urlaub reise, gucke ich mir oft ganz bewußt an wie andere Fotografen mit dem Urlaubsort umgehen. So bleibt es mir unter Umständen erspart, dass ich etwas wichtiges übersehe. Dabei ist es mir vollkommen egal wie oft die Motive vor mir schon fotografiert worden sind.
LG Andrea

chrisNo Gravatar

“Es ist schon alles fotografiert worden,

nur noch nicht von jedem!”

Albert Einstein

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