die große Spiegelreflexkamera-Verlosung

Jedes Mal, wenn ich fotografiere, lerne ich etwas Neues dazu. Ganz besonders viel habe ich allerdings bei meinem letzten Portraitworkshop „Available Light“ von Johannes Dachsel dazu gelernt, wie ich ja bereits berichtete. Die Erkenntnisse, welche ich von Johannes in seinem Fotoworkshop über die Portraitfotografie gewonnen habe, möchte ich Dir nun heute vorstellen.




1. Strahlende Augen für interessante Aufnahmen

Achte immer darauf, dass die Augen Deines Modells strahlen. Solche Lichtreflexe in den Augen erhältst Du beispielsweise durch ein Fenster, einen Reflektor oder aber einen Blitz. Fehlt dieses Licht in den Augen, wirken diese (wie auch das ganze Bild)  leblos.






2. Wie kleine Augen größer wirken

Versuche einmal ein Model, mit recht kleinen Augen aus einem leicht erhöhten Aufnahmestandpunkt zu fotografieren. Da es zu Dir in die Kamera hoch schauen muss, schlägt es seine Augen zwangsläufig weiter auf. Dadurch wirken auch kleinere Augen auf den Bildern größer.

Bei der Portraitfotografie fokussiert man normalerweise immer auf das vordere Auge, damit auch das Hintere noch scharf abgebildet wird. Sollte Dein Model nun unterschiedlich große Augen haben, lasse es einfach mit dem kleineren Auge zur Kamera drehen. Dadurch wirkt es wie von selbst etwas größer. Wäre das größere Auge der Kamera näher, würde dieses noch größer und das bereits kleinere Auge noch kleiner wirken.



3. Im Schatten fotografieren

Das Fotografieren bei Tageslicht stellt für Fotografen immer wieder eine Herausforderung dar. Insbesondere die hoch stehende Mittagssonne, die durch das harte Sonnenlicht von oben harte Schatten erzeugt, wird von vielen Fotografen verpönt. Dabei ist es absolut nicht unmöglich, auch während der Mittagszeit tolle Fotos zu schießen. Sollten sich in der Nähe Deiner geplanten Location Schatten, zum Beispiel durch Bäume oder Gebäude befinden, fotografiere doch einfach dort und stelle Dein Model in den Schatten! Solltest Du keine Schatten vortreffen, musst Du den Schatten eben zu Dir holen (mit Hilfe eines Diffusors). So entstehen auch am Mittag gleichmäßig ausgeleuchtete Bilder.


4. Schatten und Lichter beachten

Grundsätzlich solltest Du bei Deinen Bildern auf eine ausreichende Zeichnung in den Schatten und Lichtern, sowie auf den Schatten- und Lichtwurf achten. Beispielsweise sehen ein dunkles Gesicht, dafür aber hell beleuchtete Nasen und Ohren auf einem Bild recht eigenartig aus.






5. Frontales Licht – Die wohl langweiligste Lichtrichtung

Die Lichtrichtung bestimmt in der Fotografie maßgebend, welche Wirkung ein Bild beim Betrachter erzielt. Dabei sollte das Frontale Licht eher gemieden werden. Das Motiv erscheint flach, wenig modelliert und deshalb meist langweilig. Viel interessanter wirken hingegen Bilder, die bei Seitenlicht, Streiflicht oder Gegenlicht fotografiert wurden.





6. Frontal = Fatal

Fotografiert man Menschen frontal, wirken diese häufig viel massiver, als sie in Wirklichkeit eigentlich sind. Deshalb solltest Du das Model bitten, seinen Körper leicht zu drehen. Achte jedoch darauf, dass auch die hintere Schulter noch gut zu sehn ist. Zudem wirkt ein leicht geneigter Kopf auf dem Bild dynamischer (oder aber Du hältst beim Fotografieren einmal Deine Kamera etwas schräg).





7. Reden, Reden, Reden,…

Für ein Model gibt es fast nichts unangenehmeres, als wenn der Fotograf während des Shootings nicht mit ihm redet, geschweige denn ihm sagt, was es tun soll. Gib Deinem Model deshalb immer konkrete Anweisungen und unterhalte es!






8. Reden ist Silber, schweigen ist Gold

Solltest Du beim Fotografieren einen Fehler gemacht haben, ist schweigen angesagt. Betrachtest Du die Bilder auf Deiner Kamera, verziehst das Gesicht und gibst womöglich noch Sätze wie „Mist, das sieht aber schrecklich aus!“ von Dir, wird das Dein Model direkt auf sich beziehen und verunsichert. Deshalb ist es besser, wenn Du in diesem Fall (auch wenn Du merkst, dass Deine Idee oder die Technik nicht funktioniert) ein paar Bilder schießt und dann etwas Neues ausprobierst.





9. Längere Brennweiten schmeicheln den Proportionen

Grundsätzlich kann man mit jedem Objektiv Menschen fotografieren. Das eine Objektiv ist dafür besser geeignet, das andere vielleicht weniger. Hier gilt die Faustformel: Längere Brennweiten (wie zum Beispiel eine 100-300 mm Brennweite) stellen die Proportionen des Motivs (in diesem Fall des Models) realistischer dar.




10. Setze einen TfP/TfCD-Vertrag auf

Ein schriftlicher Vertrag ist auch bei einem nicht-kommerziellen Shooting, also einem TfP- oder TfCD-Shooting  ein absolutes Muss. TfP heißt „Time for Prints“ (gleichermaßen dazu heißt TfCD „Time for CD“), was bedeutet, dass das Model dem Fotografen seine Zeit zur Verfügung stellt und dieser dem Model im Gegenzug eine Auswahl der beim Fotoshooting entstandenen Fotografien zur privaten Verwendung überlässt.

Damit ist für beide Seiten – Fotograf wie Model klar, welche Rechte sie an den Bildern haben und welche Pflichten sie einhalten müssen.

Da der Fotograf der Urheber der gemeinsam aufgenommenen Bilder ist, liegen die Urheberrechte allein bei ihm. Das Model hingegen hat aufgrund ihres Persönlichkeitsrechts das Recht am eigenen Bild, so dass eine Veröffentlichung der Bilder durch den Fotografen nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Models erfolgen darf.

All diese Rechte und weitere Vereinbarungen sollten in einem TfP- oder TfCD-Vertrag geregelt werden. So können spätere Streitigkeiten ganze einfach vermieden werden.


Fazit:

Seit Johannes Workshop achte ich auf vieles, woran ich früher nicht einmal im Traum gedacht hätte. Einige Erkenntnisse kann ich in der Praxis bereits besser umsetzen, andere noch eher weniger. Besonders mit Punkt 7 „Reden, Reden, Reden“ tue ich mir noch schwer.


Nun aber zu Dir: Welche Erkenntnisse hast Du in der letzten Zeit über die Portraitfotografie gewonnen?


Model: Stefanie


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10 Kommentare

dogwatcherNo Gravatar

Da sind wirklich ein paar gute Tipps dabei, kann man nicht anders sagen! Auch welche, die ich so noch nicht irgendwo gelesen habe.. erfrischend! :D

JochenNo Gravatar

Das ist ein sehr schöner Artikel. Für mich war eigentlich alles schon bekannt, da auch ich schon diverse Workshops besucht habe, aber so schön zusammen geschrieben ist das sehr wertvoll für die Leser!

Alexander SpankeNo Gravatar

Eine sehr schöne Aufstellung !
Ich selbst ertappe mich hin und wieder dabei wenn ich experimentiere und dies nicht funktioniert dieses murmelnde ‘Mist, das funktioniert nicht’ von mir zu geben … und jedes mal wenn ich es höre nachdem ich es sagte, trete ich mich selbst :).

Gruß
Alex

Frank DudekNo Gravatar

Klasse diese Aufstellung. Auch wenn man schon das Ein oder Andere weiß, aber immer wieder gut das man es sich erneut vor Augen führt.
Punkt sieben….schwierig, schwierig…..das ist nicht gerade meine Disziplin.

Gruß
Frank

linkTIME: Portraifotografie, Lightroom 3 und SEO-Gedanken | linkTIME | bhoffmeier.de

[...] schreibt über ihre 10 Erkenntnisse in der Portraitfotografie, die sie bei einem Workshop mitgenommen hat. Ich finde die Tipps klasse und auch wenn einige davon [...]

Torsten WinklerNo Gravatar

Ist ja ganz interessant der Artikel, jedoch kann ich nicht umhin Punkt 9 zu bemängeln. Wenn man deine Faustregel ernst nehmen würde, dann wären 1000mm (ja – eintausend) das “bessere” Portraitobjektiv. Das ist natürlich quatsch. Du kannst das zwar gern als bessere Proportionen empfinden, jedoch bleibt es schlichtweg dabei, dass mit resultierenden Brennweiten von 50 bis 135 mm die Proportionen beim Portrait am natürlichsten für den Betrachter rüberkommen. Wenn man deutlich drüber geht entsteht meist der platte Eindruck einer Flunder und die Gesichter werden als breiter empfunden [näherliegende Elemente wirken kleiner als normal, weiter hinten liegende größer - Nase, Stirn und Augen werden also kleiner - Ohren und Hinterkopf wirken größer: SEHR unvorteilhaft!]
aber egal ob Portrait oder nicht – resultierende Brennweiten von um die 50mm erscheinen immer noch am natürlichsten, weil der Blickwinkel dem menschlichen Blickfeld am ehesten entspricht.

[Sorry, für den kritischen Kommentar. So wie du es bei diesem Punkt geschrieben hast ist es schlichtweg falsch und führt in die Irre. Das muss korrigiert werden ...]

Viele liebe Grüße
Torsten

JohannesNo Gravatar

@Torsten: Da Julia die aufgeführten Erkenntnisse zum Teil von mir hat, möchte ich zu deinem Kommentar noch ein paar Gedanken loswerden:

- um eines gleich vorweg zu nehmen: Der Satz “Je länger die Brennweite…” bezieht sich natürlich auf Objektive, die für gewöhnlich in der Portraitfotografie eingesetzt werden (also von Weitwinkel bis ca. 300mm).
- ich habe es in meiner ganzen Berufspraxis noch nie erlebt, dass jemand mit einer 1000er-Optik auf die Leute losgegangen ist – das ist weder im Studio, noch on location umsetzbar, die Distanz zum Model ist einfach zu groß. Da schreit man sich ja die Lunge aus dem Hals ;) Schon 400mm sind furchtbar anstrengend…
- Mit Brennweiten zwischen 100 und 300 Millimetern werden die meisten Portraits (vor allem Beauty/Headshots) gemacht.
- Du hast sicher Recht, 50mm sind dem optischen Eindruck des menschlichen Auges am nächsten (gilt übrigens nur für Kleinbildformate, im Mittelformat ist das schon wieder eine andere Geschichte). Für meinen Geschmack ist das aber auch immer die “langweiligere” Variante; spannender wird es, wenn man sich vom “normalen” Eindruck des Auges mit anderen Brennweiten abhebt.
- Ich stimme Dir zu, es gibt mit Sicherheit Grenzen, was die maximal verträgliche “Portraitbrennweite” angeht – allerdings werden die wenigsten Fotografen aus Ausrüstungs-technischen Gründen an diese stoßen.

Torsten WinklerNo Gravatar

@johannes: Ok so kann man das vielleicht eher stehen lassen – die Worte im Artikel geben das aber nicht her. Und gerade, wenn man Workshops gibt, sollte man es dann doch etwas klarer formulieren, weil sonst gehen die Kursteilnehmer in die Welt hinaus und erzählen falsche Sachen [wie hier: jemand blogt darüber, andere lesen es und schreiben darüber auf ihrem Blog oder verlinken. Und irgendwann landet solcher Quatsch dann in einem Buch und eine Generation von Fotografierern ist "verdorben"]

- Klar, dass hier von Kleinbildformat geredet wird und nicht von Großformat oder Mikrokameras oder dergleichen.

- absolut FALSCH ist jedoch die Aussage, dass Beautyshots mit 100 – 300 mm gemacht werden. Im Profibereich (Beauty) habe ich noch NIE eine Brennweite gesehen, die sich auch nur im entferntesten an die 300mm heranbewegt hat. Das Häufigste ist dort eindeutig 85mm selten länger (aus den verzerrenden Gründen die ich oben schon erwähnt hatte). ich weiß nicht in welcher Fotoschule du das gelernt hast oder ob dir da das Gefühl für flache, moppelig wirkende Gesichter fehlt … keine Ahnung [ist wirklich nicht beleidigend gemeint!]. Die Physiologie des Sehens ist nun mal auf die normalen Proportionen ausgelegt und gerade in der Gesichtswahrnehmung wird jede Abweichung davon vom Gehirn kompensiert, was zu unförmigen Resultaten führt [in anderer Fotografie (Lanfdschaft etc.) ist das nicht so auffällig, weil das Gehirn nicht so auf Landschaftserkennung programmiert ist wie auf Gesichter.]

- Auch finde ich die Aussage “50 mm sind langweilig” und “Brennweitentechnisch abheben ist spannender” ignoriert komplett die Wahrnehmung des Menschen und gerade bei Beauty ist das ein echter Schuss in den Ofen – dort ist ja gerade die Standardisierung der Schönheit und nicht das mögliche Abweichen davon angesagt. Auf alle Fälle ist “50 mm langweilig” in etwa so wie “mit Licht fotografieren ist langweilig” … wenn die einzige Abwechslung, die man als Fotograf hinbekommt in der Wahl der Brennweite liegt, dann Prost Mahlzeit. Demnächst kommt noch “fotografieren ist langweilig” und daher sollen wir alle nur noch malen.

Ich versuche hier keinen Stunk anzufangen. Ich kann blos allgemein getroffene Aussagen nicht stehen lassen, wenn sie falsch sind. Die hohen Brennweiten sind vielleicht dein persönlicher Stil oder dergleichen (und das ist ok so!), doch allgemein gültig ist das nicht :).

Viele liebe Grüße
Torsten :)

TeezeitNo Gravatar

Die erwähnten 300mm empfinde ich schon wieder als zu viel. Ein 2,8/70-200 ist bei mir das ideale Portraitobjektiv. Mehr würde ich nicht einsetzen. Und drunter auch nicht gehen, denn ein wenig Tele schmeichelt jedem Portrait.

MichaelNo Gravatar

Toller Artikel.
Ich habe leider noch meine Probleme mit der Portraitfotografie, da ich immer dazu neige zu nah an das Motiv zu gehen und Weitwinkel zu nutzen.. Deshalb ist es für mich immer etwas gewöhnungsbedürftig mit dem 85mm Abstand zu halten !

Vorallem die Tipps für die Augen finde ich sehr nützlich, ich werde mal mehr darauf achten.

LG Micha

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